Mittelrhein
Mittelrhein
Vor 40 Jahren wurde das Konzept der Straße entwickelt, vor 20 Jahren die Planung abgeschlossen und rechtlich „festgestellt“, vor 10 Jahren der erste Teil des Baus realisiert. Jetzt sind im rheinland-pfälzischen Haushalt die Mittel bereitgehalten, dass der Landesbetrieb Mobilität (LBM) das zweite Teilstück hinzufügen kann. Es würden damit weitere fruchtbare Äcker betoniert, klimaschutzfeindlich würden der Verkehr und seine Emissionen vermehrt. Der Koblenzer Stadtrat scheint das Projekt akzeptieren zu wollen.
Dass in Koblenz eine Nordumgehung „L 52 neu“ errichtet wird, parallel zu den Routen über die Autobahn und durch die Ortsteile, ist ein Projekt, dass, wie viele andere alte Projekte, inzwischen längst aus der Zeit gefallen ist. Beim Gespräch des VCD zu Beginn des Jahres mit dem Koblenzer Baudezernenten Dr. Lukas und dem Leiter des Tiefbauamts Dr. Mifka räumte der Amtsleiter ein, dass das Vorhaben heute nicht mehr genehmigungsfähig wäre. Doch – genehmigt ist genehmigt.
Weil aber die alten Planungen nach den aktuell erwarteten Verkehrszahlen offenkundig weder gerechtfertigt sind noch zu den städtischen Verkehrsentwicklungskonzepten passen, schlägt der LBM jetzt einen 2-spurigen statt des einst geplanten 4-spurigen Ausbaus vor. Der Pferdefuß: Die Stadt soll die Umplanungskosten tragen, ein Aufwand geschätzt von 1 bis 1,5 Millionen Euro im Rahmen eines 15-Millionen-Euro-Vorhabens – für 1,7 Kilometer Straße. Denn der LBM hat seine Arbeit ja getan (Spoiler: vor über 20 Jahren unter offenbar heute nicht mehr zutreffenden Voraussetzungen). Die Kosten kann sich die Stadt, klamm wie alle Kommunen, jedoch eigentlich nicht leisten. Es geht ja „nur“ um Landschafts-, Umwelt- und Klimaschutz, mithin im landesrechtlichen Sinn scheinbar nicht um eine Pflichtaufgabe. Im Zweifel müssten andere Verkehrsprojekte, z.B. die für den Radverkehr, zurückgeschraubt werden. In dieser Argumentationslinie ist zu befürchten, dass der – eigentlich eingestandenermaßen unvernünftige – alte Plan einfach doch umgesetzt wird, statt dass das blindwütige Weiterverfolgen eines vor 40 Jahre erdachten Projekts beendet wird.
Der VCD versucht gemeinsam mit dem Naturschutzbund BUND zu erreichen, dass das schon totgeglaubte Vorhaben doch beerdigt wird. Überall sind die Mittel knapp, landauf landab werden Brücken und andere Straßen marode. Anstelle von Straßenneubau wäre Sanierung angesagt. Statt der Vermehrung des Autoverkehrs durch die scheinbare Beseitigung von Nadelöhren, in Wirklichkeit deren Verschiebung, müsste für das Fließen des gewerblichen Verkehrs gesorgt werden, während für den Pendelverkehr attraktive Alternativen zu entwickeln sind.
Fazit: Der VCD fordert Stadtrat und Stadtregierung in Koblenz auf, der Phantasiewelt des 20. Jahrhunderts zu entsagen, sich den Aufgaben dieses Jahrhunderts zu stellen und umwelt- und klimafreundliche Alternativen zu unterstützen.
(RR)