Ein altes Baurecht ist keinesfalls zwingend Baupflicht!

BUND und VCD legen neues Gutachten zur Ost-West Umgehung Koblenz-Metternich vor

Anlässlich der von Rheinland-Pfalz und der Stadt Koblenz vorangetriebenen Straßen-neubaumaßnahme L 52 Ost-West-Umgehung Metternich äußern BUND und VCD erhebliche umwelt-, klima- und verkehrspolitische sowie juristische und finanzielle Bedenken.

Ein von ihnen beauftragtes, nun vorgelegtes neues verkehrsfachliches Gutachten untermauert die umfängliche Kritik am Weiterbau der L52 quer durch die freie Landschaft zwischen den nördlichen Stadtteilen.

Vor dem Hintergrund, dass in den nächsten Sitzungen des Stadtrates und seiner Fachausschüsse zeitnah eine Vorentscheidung über das Neubauprojekt fallen dürfte, hatten BUND und VCD kürzlich ein neues Verkehrsgutachten erstellen lassen. Bei der Übergabe des Gutachtens an den Koblenzer Baudezernenten, Prof. Dr. Lukas, lautete die zentrale Botschaft: “Der Weiterbau der L 52 ist verkehrsfachlich völlig aus der Zeit gefallen, klimapolitisch verantwortungslos und unsozial.”

Hautpkritikpunkte aus Verkehrssicht an dem geplanten Bauvorhaben sind

  • die tatsächliche Erhöhung des Durchgangsverkehrs in umliegenden Wohnstraßen als Folge des Straßenneubaus, statt einer prognostiezierten Entlastung;
  • die völlige Veraltung und Überdimensionierung der Planfeststellung, Daten und Prognosen von 2008. Lärm-, Klima- und der rechtsgültige Verkehrsentwicklungsplan
    werden ignoriert – mit juristischen Risiken;
  • die Gefahr von hohen Planungs- und Baukosten sowie noch größeren Haushalts-defiziten, auch unmittelbar für die Stadt Koblenz;
  • das Ausblenden von vorrangigen Alternativen, insbesondere infrastrukturelle
    Verbesserungen beim Schienen- und Radnetz sowie Anpassungen bei der
    Verkehrsführung und Entschleunigung auf bestehenden Straßen.

Der VCD hebt in Übereinstimmung mit dem Gutachten hervor, dass ein Neubau der L 52 den Autoverkehr beschleunigen und Durchgangsverkehr anlocken würde, sogar den Fernverkehr von den Autobahnen A61 und A48 tendenziell abziehe. „Unmittelbar umliegende Straßen, wie z.B. die Trierer Straße/Mayener Straße und der Bubenheimer Weg würden sogar mehr statt weniger Verkehr bekommen. Das betrifft auch den Schulweg zur Integrierten Gesamtschule Pollenfeld sowie die Sicherheit der Zufußgehenden und Radfahrenden und widerspricht dem städtischen Lärmaktionsplan“, stellt VCD Landesvorsitzender Dr. Rupert Röder fest.

Die BUND-Landesvorsitzende Sabine Yacoub kritisiert außerdem die fortschreitende Versiegelung der knappen Rest-Naturflächen: „Artenvielfalt, aber auch Ernährungs-sicherheit und Grundwasserneubildung werden weiter gefährdet, und das ausgerechnet nach einem solchen Hitzesommer! „Noch mehr Asphalt ist das Letzte, was da hilft.“ Klimaschutz müsse endlich an erster Stelle stehen.

Der Neubau der schlecht in das Bestandsnetz integrierten vier- oder auch zweispurigen Umfahrung mit veraltetem Planungsansatz lehnen die Umweltverbände entschlossen ab. Er sei heute weder sinnvoll noch nachhaltig, teils sogar verkehrsplanerisch kontraproduktiv, schlussfolgern VCD und BUND. Sie fordern darum ein sofortiges Moratorium und eine umfassende, „enkeltaugliche“ Neukonzeption.

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