Ludwigshafen-Vorderpfalz
Ludwigshafen-Vorderpfalz
Der VCD Ludwigshafen-Vorderpfalz kritisiert die einseitige Debatte bei der Vorstellung des Parkkonzeptes für die Nördliche Innenstadt im Ortsbeirat. Die Diskussion konzentrierte sich ausschließlich auf den Erhalt von Stellplätzen für Autos. Die Interessen der Mehrheit der Bewohner*innen sowie die Ziele einer zukunftsfähigen Stadtentwicklung blieben dagegen unberücksichtigt. Mangelhafter Anschluss an den Öffentlichen Verkehr und fehlende Parkhäuser wurden zwar beklagt, aber nicht konkret mit der Umsetzung des Parkkonzeptes gefordert.
Laut den Stadtteilpässen 2025 besitzen im Bezirk nur rund 37 Prozent der über 18-Jährigen ein Auto. Wenn berücksichtigt wird, dass manche Haushalte mehrere Fahrzeuge besitzen, verfügt höchstens die Hälfte aller Haushalte über einen Pkw. Kinder und Jugendliche mit ihren eigenen Mobilitätsbedürfnissen sind dabei noch gar nicht einbezogen. Dennoch spielte die Mehrheit der Bewohner*innen ohne eigenes Auto in der Debatte keine Rolle.
Auch die Mobilitätsdaten sprechen eine eindeutige Sprache: Bereits heute werden 64 Prozent aller Wege innerhalb Ludwigshafens zu Fuß, mit dem Fahrrad oder mit Bussen und Bahnen zurückgelegt. Diese Entwicklung muss weiter gefördert werden. Menschen, die bereits auf umweltfreundliche Verkehrsmittel umgestiegen sind, verdienen ebenso politische Unterstützung wie Autofahrer*innen.
Zwar sind heute im Bezirk rund 300 Pkw mehr gemeldet als 2018, aber diese Fahrzeuge wurden trotz der bekannten Parkplatzknappheit angeschafft. Ebenso wenig wie Fahrgäste des öffentlichen Verkehrs eine Haltestelle direkt vor ihrer Haustür erwarten können – laut Nahverkehrsplan gelten bis zu 300 Meter Fußweg als gut erreichbar –, besteht ein Anspruch auf einen jederzeit freien Parkplatz unmittelbar vor der Wohnung.
Mit dem Umbau der Rheinuferstraße im Zuge der Herstellung der Helmut-Kohl-Allee und mit der geplanten Pfalztram kann sich der Anschluss an die Öffentlichen Verkehrsmittel erheblich verbessern. Dadurch können sowohl Autofahrten als auch die Zahl der Pkw im Stadtteil sinken.
In der Sitzung wurde der Eindruck verbreitet, dass Parkplätze selbstverständlich kostenlos angeboten werden müssen. Tatsächlich tragen jedoch alle Bewohner*innen die Folgen des ruhenden Verkehrs: hohe Kosten für Bau und Unterhaltung von Stellflächen, belegter öffentlicher Raum, zugeparkte Wege, illegales Parken sowie zusätzliche Hitzebelastungen Autos.
Kritisiert wurden in den Wortmeldungen der Beiräte sowohl das Bewohnerparken, das derzeit weniger als 50 Cent pro Tag kostet, als auch die geplante Parkraumbewirtschaftung. Dabei soll gerade diese erreichen, dass Pendler und Besucher Parkhäuser nutzen und dadurch legale Stellplätze für Bewohner frei werden.
Statt Lösungen für alle Bewohner*innen zu diskutieren wurde quasi verlangt, dass möglichst jeder freie Quadratmeter weiterhin als Parkplatz dienen soll. Umwelt, Klima, Aufenthaltsqualität und Verkehrssicherheit spielten dagegen keine Rolle – obwohl gerade dicht bebaute Stadtquartiere mehr Grün, mehr Bäume und mehr Platz für Fuß- und Radverkehr benötigen.
Die Fachwelt ist sich seit Jahren einig: Das Problem Parkplatzmangel wird nicht durch immer neue Stellplätze gelöst. Erfolgreich sind Bewohnerparken, Parkraumbewirtschaftung, Quartiersgaragen, weniger Stellplätze im Neubau sowie attraktive Alternativen wie Carsharing, Radverkehr und ein leistungsfähiger ÖPNV.
Dass diese Konzepte funktionieren, zeigen nicht nur Metropolen wie Wien und Paris. Auch Städte wie Gent, Kuopio oder Reggio Emilia mit deutlich weniger als 300.000 Einwohnern haben damit nachweislich gute Erfahrungen gemacht.
Der VCD Ludwigshafen-Vorderpfalz fordert die konsequente Umsetzung des vorgeschlagenen Parkkonzeptes.
Die durch den Abriss der Hochstraße Nord freiwerdenden Flächen müssen im nötigen Umfang auch für den Bau von Quartiersgaragen genutzt werden. Gleichzeitig braucht der Stadtteil mehr Grünflächen und zusätzliche Bäume – auch dort, wo heute Stellplätze den öffentlichen Raum dominieren.
An Haltestellen des öffentlichen Verkehrs sollten schrittweise Mobilstationen mit dem Angebot von Car- und Bikesharing, Lademöglichkeiten und hochwertigen Fahrradabstellanlagen entstehen. In Straßenzügen ohne zum Abstellen von Fahrrädern geeignete Innenhöfe müssen sichere Fahrradabstellanlagen im öffentlichen Raum geschaffen werden. Ebenso sind attraktive und sichere Wege für den Fuß- und Radverkehr erforderlich.
Die Nördliche Innenstadt braucht ein modernes Parkkonzept und eine Verkehrspolitik, die alle Bewohner*innen im Blick hat. Die Förderung umweltfreundlicher Mobilität kann Autofahrten ersetzen, die Zahl der Pkw im Stadtteil verringern und damit zugleich die Belastungen durch Autoverkehr, schädliche Abgase, Lärm, Hitze und Flächenverbrauch reduzieren. Zukunftsfähige Mobilität entsteht nicht durch die Verteidigung jedes einzelnen Parkplatzes, sondern durch ein Gesamtkonzept, das den Bedürfnissen aller Menschen gerecht wird.