Landesverband Rheinland-Pfalz
Landesverband Rheinland-Pfalz

Comeback der Schiene

Neue Straßenbahnstrecken für Rheinland-Pfalz

Aufwind für den Schienenverkehr, nicht nur bei Reaktivierungsmaßnahmen: Für das Umland von Ludwigshafen hat das ÖPNV-Ministerium den Startschuss für eine neue Ära gegeben.

Für das Zehnjahresprojekt „Pfalztram“ werden die Planungen eingeleitet. Die Vorderpfalz soll auf drei neuen Strecken per Straßenbahn erschlossen werden, damit der ÖPNV im Alltag hochattraktiv und noch umweltfreundlicher wird (https://www.swr.de/swraktuell/rheinland-pfalz/ludwigshafen/pfalztram-projektstart-100.html)

Ministerin Eder verweist dabei auf das erfolgreiche Projekt „Mainzelbahn“. Unter diesem Titel wurde in Mainz bundesweit zum ersten Mal eine längere Tramstrecke, 10 Kilometer zur Trabantenstadt Lerchenberg, wieder neu gebaut. Viel mehr Menschen fahren dort jetzt Bahn als vorher mit dem Bus. Die Nutzungszahlen sind deutlich höher als vorher prognostiziert (und als bei den Berechnungen zur Förderung angenommen wurde). 

In Ludwigshafen begrüßt der VCD, dass das Land und der Zweckverband ÖPNV RLP Süd zusammen mit den Verkehrsverbünden aktiv werden und Geld in die Hand nehmen – Mittel, die die Stadt Ludwigshafen, die in den nächsten Jahren hunderte von Millionen Euro für den Straßenausbau aufwenden will , selbst nicht hat (vgl. https://rlp.vcd.org/startseite/detail/verkehrswende-rueckwaerts-in-ludwigshafen). Der VCD erwartet aber beim anstehenden Beteiligungsverfahren noch zahlreiche Detailverbesserungen, um die Attraktivität der Tram für viele Menschen weiter zu erhöhen.

 

Mit Ludwigshafen freut sich auch der Rheinhessen-VCD, dass im Süden des Landes Entscheidungen für die Zukunft gefällt werden. Für ihn ist das der Anlass, an seine Forderung zu erinnern, dass in seiner Region eine Rheinhessentram entwickelt werden sollte. Für diese könnten alte Trassen reaktiviert werden. Weitere Strecken sind bereits seit Jahrzehnten im Flächennutzungsplan vorgesehen. Viel zu früh beginnt im Umland von Mainz der vermeintliche ländliche Raum, in dem kein Bahn- oder Busnetz mit städtischen Qualitäten mehr existiert. Das zu frühe Ende eines metropolengerechten ÖPNV hat die Konsequenz, dass in den Umlandkommunen Wohngebiete für Menschen, die in Mainz oder sonst im Rhein-Main-Gebiet arbeiten, hochgezogen werden und dabei das Auto als Verkehrsmittel alternativlos erscheint. Daher wird dann dort immer weiter der Straßenausbau gefordert und forciert, der die Landschaft zerstört und am Ende nur weiteren Autoverkehr anzieht. 

Der Appell des VCD lautet, dass Mainz und das Umland an ihre alte Tradition anknüpfen. Bereits im Jahr 1904 fuhren die ersten elektrischen Straßenbahnen innerhalb von Mainz. Gleichzeitig wurden die Langstrecken ins damalige Umland, u.a. die heutigen Stadtteile Gonsenheim und Finthen, mit Dampflokomotiven bedient.

Heute ist es mit Straßenbahntechnik auch möglich, weite Strecken über Land auch mit höheren Geschwindigkeiten zu fahren. Warum also nicht, auch größere Netze einzurichten, so dass die Pendelbewegungen innerhalb einer Region klimafreundlich stattfinden könnten.

Vielleicht das berühmteste Beispiel für eine Bahn über Land mit Straßenbahntechnik ist die Centovalli-Bahn, die von Locarno in der Schweiz durch eine Gebirgslandschaft über eine Strecke von 52 km nach Domodossola in Italien führt. 

Aktuelle Wahlen in Kiel zeigen dabei, dass Politikerinnen und Politiker sich nicht scheuen müssen, den Straßenbahnbau zu vertreten. In der norddeutschen Großstadt ist in der Stichwahl ein Grüner mit deutlicher Mehrheit zum OB gewählt worden, der sich für den Aufbau einer Stadtbahn ausgesprochen hat, die sein Gegenkandidat, unterstützt von CDU und FDP, ablehnte (https://taz.de/Kiel-waehlt-gruenen-Oberbuergermeister/!6135351).

Vor der anstehenden Landtagswahl in Rheinland-Pfalz ist dies ein Hinweis an Politikerinnen und Politiker, dass Verkehrsprobleme auch nach den Wünschen der Bürger:innen durch Schienenverkehrsentwicklung statt Straßenbau gelöst werden müssen.

(RR)

zurück