Landesverband Rheinland-Pfalz
Zwei aktuelle Publikationen - eine Metastudia der Björn Steiger Stiftung zum Tempolimit auf Autobahnen sowie die Broschüre Tempo 30: besserer Verkehr für Städte und Dörfer - bringen neue Argumente für das Engagement für ein Tempolimit sowohl innerorts als auch auf Autobahnen.
Nach Einschätzung des Unfallforschers Siegfried Brockmann von der unabhängigen Björn Steiger Stiftung ließe sich die Zahl der Verkehrstoten auf Autobahnen bei einem generellen Tempolimit von 130km/h jährlich um etwa 70 bis 90 Personen senken. Zu diesem Ergebnis kommt eine aktuelle Metastudie, für die wissenschaftliche Untersuchungen aus mehreren Jahrzehnten ausgewertet wurden. Zahlen des Statistischen Bundesamts zufolge sind im Jahr 2025 mehr als 2.800 Menschen bei Unfällen auf deutschen Straßen gestorben. 292 von ihnen starben der Metastudie zufolge auf Autobahnen.
Zusätzlich hätte ein Tempolimit positive Auswirkungen auf Umwelt und Verkehrsfluss. Eine gleichmäßigere Verkehrsführung, weniger Lärm und Schadstoffausstoß sowie wirtschaftliche Vorteile durch geringere Unfall- und Folgekosten werden in der Studie hervorgehoben. Da sich seit Jahren eine Mehrheit der Bevölkerung für ein Tempolimit ausspricht, bewerten die Autoren Tempo 130 als einen ausgewogenen Kompromiss zwischen Verkehrssicherheit sowie Verkehrsfluss, Klimaschutz und breiter Akzeptanz. Sie empfehlen bei der Einführung einen bundesweiten, wissenschaftlich begleiteten Praxistest. Ein einjähriger Modellversuch könnte dazu beitragen, die tatsächlichen Auswirkungen eines Tempolimits unter realen Bedingungen zu überprüfen und eine belastbare Grundlage für die politische Debatte zu schaffen.
Wir finden: Die Studie fasst zusammen, was längst bekannt ist – aber von der Politik nur allzu gerne weggeredet wird: Kaum eine verkehrspolitische Maßnahme bietet so viele Vorteile bei so geringen Kosten. Ein Tempolimit schont die Umwelt und das Portemonnaie, es verbessert den Verkehrsfluss und schützt Menschenleben. Unbegrenzt schnell zu fahren, ist kein Recht, das auf Kosten der Sicherheit und des Lebens anderer genossen werden darf. Am Rande bemerkt: Es ist auch ein spürbarer Beitrag zum Bürokratieabbau, wenn viele Einzelgebote für eine verminderte Geschwindigkeit auf einer bestimmten Strecke entfallen können.
Der Fachverband FUSS e.V. hat eine 42-seitige Broschüre zum Thema Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit innerhalb geschlossener Ortschaften mit vielen instruktiven Abbildungen veröffentlicht. Sie fasst Erkenntnisse zu Verkehrssicherheit, Lebensqualität und Verkehrsfluss zusammen, u.a ebenfalls auf Studien der Björn Steiger Stiftung beruhend.
Interessant zu lesen ist bereits die Geschichte der Tempolimits und ihrer Aufhebungen in Deutschland, beginnend beim Tempolimit von 6 km/h für Patent-Motorwagen im Jahr 1893 und vom Wechsel der Schuldzuschreibung in der ersten Reichs-StVO, seit der die Zufußgehenden als Unfallverursacher beschrieben werden, wenn sie nicht genug auf die Autos geachtet haben – selbst wenn sie gar nicht dazu in der Lage gewesen sind.
Anhand von Beispielen aus mehreren europäischen Ländern zeigt die Broschüre, wie flächendeckendes Tempo 30 dort erfolgreich umgesetzt wurde und wie eine niedrigere Höchstgeschwindigkeit zu mehr Sicherheit für alle Verkehrsteilnehmenden, insbesondere für Fußgänger und Radfahrer führt. Zum neuen Trend zur „Kompromisslösung“ Tempo 40 wird eindeutig Stellung genommen: „30 ist nicht unser Ideal, sondern unser Kompromissvorschlag.“
Ein weiterer Schwerpunkt liegt auf der aktuellen Rechtslage in Deutschland. Die Broschüre erläutert die zahlreichen Ausnahmeregelungen, unter denen Kommunen bereits heute Tempo 30 anordnen können und kritisiert die komplexen rechtlichen Vorgaben. Die Broschüre plädiert für eine Reform, bei der Tempo 30 innerorts zum Regelfall wird und Tempo 50 nur dort erhalten bleibt, wo Sicherheits- und Gesundheitsaspekte dem nicht entgegenstehen und nicht die Lebensqualität der Anwohnenden berücksichtigt wird.
Allen, die eine in der Praxis einer Initiative gut nutzbare, pragmatische Handhabe für die Durchsetzung von Tempo 30 suchen, sei im Übrigen das „Tempo 30 Soforthilfepapier“ des VCD ans Herz gelegt
Insbesondere VCD-Mitglieder können sich zur Unterstützung auch gern an ihren rheinland-pfälzischen Kreis- oder Landesverband wenden, vgl. auch https://rlp.vcd.org/vcd-wirkt/tempo-30