Landesverband Rheinland-Pfalz, Pressemitteilung

Pendler-Radroute Mainz-Bingen: VCD sieht deutlichen Nachbesserungsbedarf

Testfahrt zeigt gute Ansätze, aber Defizite bei Sicherheit, Breite und Vorrang

Bei einer Testfahrt hat der VCD Rheinland-Pfalz die bisher fertiggestellten und auch die geplanten Abschnitte der Pendlerradroute zwischen Bingen und Mainz unter die Lupe genommen. Das Ergebnis: Die Route bietet an einigen Stellen deutliche Verbesserungen für den Radverkehr, wird dem eigenen Anspruch des Landes für eine direkte, sichere und zügig befahrbare Verbindung allerdings oft nicht gerecht.

Besonders kritisch bewertet der VCD fehlende Sicherheitsabstände zu parkenden Fahrzeugen sowie zu schmale Wege. Die vom Land selbst vorgegebene Normbreite von drei Metern wird nur auf wenigen Abschnitten erreicht. Die Wegbreiten für den gemeinsamen Zweirichtungsverkehr von Radfahrenden und Zu-Fuß-Gehenden gehen bis auf 2,20 Meter herunter. „Selbst wo eine Verbreiterung bestehender Radwege augenscheinlich möglich gewesen wäre, hat man die Wegbreite bei 2,20m oder 2,50m belassen. Es ist enttäuschend, wie wenig Land und Kommunen aus dem Ansatz der Pendlerradrouten machen“, kritisiert VCD-Landesvorsitzender Rupert Röder.

Entgegen dem Versprechen der Landesregierung wird die Flüssigkeit des Radverkehrs im Hinblick auf eine zügige Befahrbarkeit der Pendlerradrouten kaum berücksichtigt. Stattdessen müssen Radfahrende bei der Befahrung eines Kreisels oder einer Straßenquerung dem Kfz-Verkehr oft mehrfach Vorfahrt gewähren. „Das ist normwidrig und schon gar nicht nachvollziehbar, wenn es sich lediglich um Zufahrten zu Parkplätzen handelt“, so Röder. 

Auch hinsichtlich einer durchgängig eindeutigen und sicheren Führung stellt der VCD Mängel fest: Vielfach fehlen rote Furten zur besseren Sichtbarkeit des Radverkehrs. Beschilderungen sind teilweise zu klein oder kaum sichtbar, die weiß-grünen Seitenmarkierungen sind vielerorts verblasst oder fehlen vollständig. Besonders bei Dunkelheit verlieren Ortsunkundige leicht die Orientierung.

Positiv bewertet der VCD die neue Fahrradstraße in Bingen-Kempten. An der Bahnunterführung beim Campingplatz hat der Radverkehr auf der Pendlerradroute bzw. dem Rheinradweg Vorrang. Eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf 20 km/h im kritischen Kreuzungsbereich sowie bauliche Maßnahmen gegen illegales Parken erhöhen dort die Sicherheit.

Der VCD fordert aufgrund der festgestellten Mängel, dass das Land den weiteren Ausbau der Pendlerradrouten aus einer Hand plant, finanziert und umsetzt. Die Infrastruktur für den überörtlichen Radverkehr könne ebenso wie für den überörtlichen Autoverkehr nicht den klammen Kommunen überlassen bleiben, insbesondere wenn die Finanzierung als „freiwillige Leistung“ eingestuft und womöglich von der Aufsichtsbehörde des Landes (ADD) untersagt wird. „Die neue Landesregierung hat einen Aufholprozess beim alltagstauglichen Radverkehr versprochen. Jetzt muss sie liefern. Und zwar nicht nur für das behauptete Premiumnetz der Pendlerradrouten. Gut ausgebaute, alltagstaugliche Radwege sind nicht nur gut für Klima und Umwelt – sondern auch die beste Bremse für steigende Mobilitätskosten!“, so Rupert Röder.

zurück