Landesverband Rheinland-Pfalz
Die Bilder liefen am 16. Oktober durch die Medien. Ein froh lächelnder Kanzler Merz verkündet den nächsten Schlag gegen die Minderung der CO2-Emissionen. Die französische und die deutsche Regierung, beide unter starkem innenpolitischen Druck, haben vereinbart, das Dahinsiechen der fossilen Strukturen in der europäischen Automobilindustrie nochmal zu verlängern - anstatt alle Kräfte für eine zukunftsweisende Technik zu bündeln.
(vgl. https://www.deutschlandfunk.de/merz-verbrenner-aus-ist-geschichte-102.html)
Das trägt dazu bei, dass die klimaschädlichen Emissionen des Autoverkehrs nicht sinken, wie es erforderlich wäre, um die Klimakrise zu mildern. Nicht nur wir alle, die unter den Auswirkungen der Klimakrise leiden werden, sondern schon heute zahlen die Nutzer von Verbrennern die Zeche, wenn der Treibstoff durch die Straße von Hormus transportiert werden muss, während Sonnenlicht und Windkraft unbehindert ankommen. Und es lenkt die Investitionen der Industrie in eine sterbende Technik, die aus kurzfristigen Renditeerwägungen nochmal gepusht wird.
Mit dem Schlagwort vom „Verbrenner-Aus“ im Jahr 2035 als Mittel der Verringerung der CO2-Emissionen wurde ein Schreckbild heraufbeschworen, das die Assoziation weckte, als sollten ab dem Jahr 2035 keine Verbrenner-Kraftwagen mehr gefahren werden dürfen. Dabei lautete das Ziel, dass ab dem Jahr 2035 keine Neuwagen mit fossilem Antrieb mehr hergestellt werden sollten. Denn viele der Wagen, die 2035 produziert werden, sind normalerweise auch 2045 noch in Betrieb. In dem Jahr, für das sich die Bundesrepublik gesetzlich verpflichtet hat, die CO2-Emissionen bilanziell auf Null zu bringen.
Mit des Autofahrers Glück werden etliche der Neuwagen von 2035 noch 2050 CO2 in den Auspuff jagen, in dem Jahr, für das das Pariser Klimaabkommen das Netto-Null-Emissionsziel vorgibt. 2035 als Produktions-Endjahr wäre so ziemlich die letzte Chance, dass der PKW-Verkehr in Deutschland auf den angestrebten Minderungspfad der Emissionswerte einschwenkt.
Sicherlich wäre es weit besser gewesen, der Umstieg zur E-Mobilität wäre zehn Jahre vorher ins Laufen gekommen, etwa wie in Norwegen, wo bereits 2025 der Anteil der batterie-elektrischen PKW bei den Neuzulassungen bei 95,9 Prozent lag (https://de.wikipedia.org/wiki/Elektromobilit%C3%A4t_nach_L%C3%A4ndern). Oder wie in China, das 2025 einen Anteil der E-Neuwagen von 33,3 Prozent erreichte, und wo inzwischen vor allem bei jüngeren Menschen Verbrenner out sind, wo der Verkauf der früher beliebten deutschen Verbrennermodelle drastisch einbricht und wo die Automobilindustrie sich auf den Weg machen kann, den Weltmarkt zu dominieren. Jetzt wäre wohl der letzte Zeitpunkt für die deutsche Industrie, noch auf den Zug zu springen.
Aber welch ein Zusammentreffen – am gleichen Tag, an dem Merz und Macron die Emissionsanforderungen an die Automobilindustrie lockern, ist auch zu erfahren, dass der Sportwagenhersteller Porsche seine „Mission S“ und neue „Supersportwagen“ ankündigt. Mit diesem Luxus-Spielgerät möchte er sich seine Profitabilität in der Zukunft – in der er wohl keine Klimakrise befürchten will - sichern. Mit Sportwagen, die, laut Medienberichten, mit 850 PS fahren und übrigens zu kaufen sein sollen zu Preisen oberhalb von 450.000 Euro - in etwa das halbe Lebensarbeitseinkommen eines Menschen in der Mittelschicht - damit Porsche seinen Eigentümern eine Umsatzrendite von 15 Prozent verschaffen kann. Und, weil die Kunden das so wollen würden, würden die Wagen mit Verbrennerantrieb ausgestattet sein.
Doch, so sehr man das Gaspedal niederdrückt, dem Klimawandel wird man nicht entkommen. Und industriepolitisch nicht den Ländern und Firmen, die eine intelligentere Strategie verfolgen.