Landesverband Rheinland-Pfalz
Tempo 130, oder gar noch weniger, als Limit auf Autobahnen?? Die Mehrheit der Bevölkerung wünscht es inzwischen. Geringeres Tempo und weniger Überholvorgänge würden viele Unfälle vermeiden und zahlreichen Menschen das Leben retten. Weil der Energieverbrauch quadratisch mit der Geschwindigkeit wächst, ließen sich außerdem, solange noch viele Autos fossil fahren, sehr viel CO2-Emissionen einsparen. Und es würde den Verkehrsfluss verbessern, weil es vor allem die Geschwindigkeitsunterschiede sind, die zu eigentlich anlasslosen Stockungen und Staus führen.
Aber die Politik, jedenfalls die Mehrzahl der Politiker:innen, will das Tempolimit nicht. Wen wundert dies, wenn man sich die Tabelle der Regierungsdienstwagen anschaut, welche die DUH gerade veröffentlicht hat. Vorab: Minister:innen und Ministerpräsidenten wählen ihre Autos selbst. Der Hauptteil dieser Autos hat eine Spitzengeschwindigkeit von 250 km/h. Wer wird sich das Power-Spielzeug, das Gefühl der Überlegenheit auf der Autobahn, das Carrera-Feeling im Büroanzug schon durch ein Tempolimit nehmen lassen wollen?
Vergleichsweise ein Lob verdienen die Landesregierungen in Berlin und Baden-Württemberg. Ihre Dienstwagen schaffen es in der Mehrzahl „nur“ auf 210 km/h. Das E-Auto des Ministerpräsidenten Cem Özdemir ist mit dieser Spitzengeschwindigkeit unter den Wagen der Ministerpräsident:innen einsame „Spitze“. In Rheinland-Pfalz begnügt sich immerhin Umweltministerin Christiane Schneider ebenfalls mit einem elektrisch motorisierten PKW mit höchstens 210 km/h, Verkehrsminister Achim Schwickert bleibt mit der Höchstgeschwindigkeit von 240 km/h bei seinem elektrischen Dienstfahrzeug auch unter der Industriegrenze. Die anderen reihen sich in die 250 km/h-Riege ein und fahren fossil oder plugin-hybrid (was faktisch laut der Kritik der DUH im Alltag auch auf fossil hinausläuft). In dieser Konstellation schafft es Rheinland-Pfalz in der Länderwertung der CO2-Emissionswerte auf Platz 8 und erhält die „rote Karte“ Das bedeutet, dass die Landesregierung mit ihrer Autoflotte im Schnitt mehr als 112,3 g CO2/km produziert.
Die fast einheitliche Angabe der Spitzengeschwindigkeit von 250 km/h hat übrigens nicht primär eine technische Ursache. Die Automobilindustrie verständigte sich vielmehr in den achtziger Jahren darauf, das Tempo (fast) all ihrer Fahrzeuge einheitlich nicht über diese Grenze hinaus zu steigern, wohl um damit auch die technischen Anforderungen an Bremsen, Karosserie, Sicherheitsausrüstung zu begrenzen. Wobei es Bestrebungen gab und gibt, das Limit zu reißen (https://www.sueddeutsche.de/auto/hoechstgeschwindigkeit-250-reicht-vielen-nicht-1.547054) Die Motoren werden daher ggfs. bei Erreichen von 250 km/h abgeregelt. Oft vorhandene zusätzliche Power ist nur fürs Beschleunigen – und fürs Feeling; und erhöht dadurch Masse und Energieaufwand natürlich noch weiter.
Der VCD fordert von der Bundesregierung und der Landesregierung: Regeln Sie ab! Beenden Sie Ihren Geschwindigkeitsrausch und begrenzen Sie Ihre eigene Geschwindigkeit auf umweltfreundlichere 120 km/h. Beachten Sie Ihre Amtspflicht, seien Sie Vorbilder und sorgen Sie für die Vermeidung furchtbarer Verkehrsunfälle. Folgen Sie dem Wunsch der Mehrheit der Bevölkerung und führen Sie endlich ein generelles Tempolimit auf Autobahnen von 120 km/h ein!