Rheinhessen
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Der Mainzer Architekt Axel Eggert und der Journalist Philipp Müller haben eine Idee für eine spektakuläre Konstruktion für den Radverkehr in Mainz entwickelt, das „Velodukt“. Der VCD hat sich mit dem Vorschlag befasst.
Mainz, auf altrömisch „Moguntiacum“, war eine wichtige Grenzsiedlung des Römischen Reiches. Immer wieder werden bei Bauvorhaben Reste der römischen Besiedlung ausgegraben. Es gibt sogar Reste von Großbauten, die 2000 Jahre oberirdisch überdauert haben. Die Römer waren Meister im Bauen von Wasserleitungen (Aquädukte), mit denen sie ihre Anlagen versorgten. Von weither wurde Wasser aus Bergen und Hügeln in die Ebene transportiert. Dabei wurden Landschaftseinschnitte und Täler mit Brücken überspannt. Eine solche Konstruktion gab es auch in Mainz, um das Tal des Zahlbachs, das die Anhöhe zu den Mainzer Umlandhügeln unterbricht, zu überwinden. Von den ehemals 64 Pfeilern der Brücke sind einige wenige rudimentär erhalten und werden als Römersteine bezeichnet.
Der Architekt Axel Eggert hat zusammen mit dem Journalisten Philipp Müller die kühne Vision des Velodukts entwickelt, die Führung des Rad- (und Fuß-)verkehrs über eine Brücke, die die römischen Formen anklingen lässt. Wie zur Römerzeit dem Wasser eine Bahn über das Tal geschaffen wurde, so sollen jetzt für Fuß- und Radverkehr Verbindungen entstehen, die über dem Tal in der Höhe schweben.
Eine VCD-Gruppe hat sich das Projekt von den Initiatoren vorstellen lassen. Es ist zweifelsohne ein beeindruckendes Projekt, das auch viel touristische Aufmerksamkeit auf sich ziehen und die römische Vergangenheit von Mainz spektakulär in Szene setzen würde
Was die Kosten einer solchen Konstruktion betrifft- da weisen die Initiatoren nicht zu Unrecht darauf hin, dass für fragwürdige Autostraßen viel mehr Geld aufgewendet wird. Hinsichtlich des Denkmalschutzes bleibt es fraglich, ob die modernistische Inszenierung der römischen Reste akzeptabel wäre. Auch den Naturschutzbelangen gerecht zu werden, wäre schwierig. Das Velodukt würde sicherlich die kritische Kaltzufuhr in die Innenstadt durchs Zahlbachtal weiter einschränken. Sehr fraglich ist außerdem, ob wie vermutet, durch die Brücke vorgezeichnete achsrelevante Radverkehrsströme entstehen würden. Die Initiatoren sprechen von einer Rhein-Main-Radverbindung, die sich aber als Wunschdenken erweisen könnte. Zumindest solange nicht zusätzliche Wege die ganze Stadt durchzögen und der Rhein ebenfalls neu überbrückt würde.
Die Idee ist jetzt schon ein paar Jahre alt, die Stadtverwaltung hat sich bereits ausführlich damit auseinandergesetzt. Die Stadt führt ähnliche Argumente zur Darlegung der vermutlich nicht realisierbaren Projektidee an, den Natur- und Landschaftsschutz, die Belange der Anwohnenden, den Denkmalschutz. Zur potentiellen verkehrlichen Bedeutung verweist sie darauf, dass bei der beauftragten Erstellung eines Radnetzkonzepts auch die Relation über bzw. durch das Zahlbachtal untersucht werde.
Doch unabhängig davon, ob das Mainzer Velodukt ein realistisches und begrüßenswertes Vorhaben wäre: Man sollte sich durch die Konzeption auf jeden Fall anregen lassen, dass für den Radverkehr groß gedacht werden muss, so wie es andere Städte vormachen. Nicht nur in Dänemark (Kopenhagen) oder in den Niederlanden (Utrecht und Amsterdam) wird das Radfahren mit eindrucksvollen und funktionellen Konstruktionen leichter, schneller und schöner gemacht. In Deutschland hat Tübingen gezeigt, wie der Radverkehr aus dem Klein-Klein der klassischen Radwege buchstäblich herausgeführt und ihm in einem dicht gedrängten Verkehrsumfeld eine neue Perspektive verschafft werden kann.
Da gäbe es in jeder deutschen Großstadt und so auch in Mainz viele Orte und Ansätze, wenn man sich mutig und ohne die Scheuklappen nach dem Motto, „das ist zu teuer“ daran machen würde, um Fuß- und Radverkehr als Herz der Mobilität zu würdigen und erleben zu lassen.