Pressemitteilung
Ludwigshafen-Vorderpfalz
Der öffentliche Nahverkehr in Ludwigshafen war nach der Sperrung der Hochstraße Süd in einer lange nicht erlebten Aufbruchsstimmung. Diese Stimmung droht jäh zu kippen und der ÖPNV nachhaltig geschädigt zu werden.
"Noch halten sich die Probleme für die Nutzer/innen des ÖPNV in Grenzen, zumal am Wochenende erfahrungsgemäß geringerer Fahrgastandrang herrscht. Ab Montag rechnen wir mit kritischen Zuständen im ÖPNV", fürchtet Ulrich Vogel, stellvertretender Vorsitzender des ökologischen Verkehrsclubs Deutschland (VCD) des Kreisverbandes Ludwigshafen-Vorderpfalz.
Chaotisch und existenziell bedrohlich wird die Situation der Straßenbahn in Ludwigshafen ab Mittwoch den 27.11.2019, wenn auch die Straßenbahnstrecke in der Berliner Straße zwischen Pfalzbau und Schützenstraße nicht mehr befahren werden kann. Dann ist der Betriebshof in Rheingönheim vom restlichen Netz nur noch durch einen umständlichen, weiten und störungsanfälligen Umweg über die Wendeschleife am Ebertpark erreichbar. Die Linie 6 kann wird nicht mehr ohne weiteres weiter von der Innenstadt nach Rheingönheim verkehren können. "Wir sind überzeugt, dass die RNV alles in ihren Kräften stehende tun wird, um die Auswirkungen so gering wie möglich zu halten, wenn die Stadtpolitik sie nicht daran hindert", so Vogel. "Wir lassen uns überraschen, wie die Straßenbahn von Rheingönheim – Mundenheim her weiter geführt werden kann".
Der VCD weist darauf hin, dass sich jetzt die Folgen der kurzsichtigem und konzeptionslosen Sparpolitik im ÖPNV der Ära Lohse und der Großen Koalition rächt, in der – blind für die Realitäten einer Großstadt – das Auto über alles ging. Jetzt fehlt die 2008 stillgelegte Tunnelstrecke Hauptbahnhof – Rathaus – Hemshofstraße (C-Tunnel) schmerzlich. Wäre sie nicht stillgelegt worden, könnte sie eine gute Ausweichstrecke von Mundenheim nach Friesenheim – Oppau darstellen, ohne die Hochstraße Süd unterqueren zu müssen. Das Straßenbahnnetz in Ludwigshafen wäre dann wesentlich flexibler und weniger störungsanfällig.
Der VCD in Ludwigshafen sieht aufgrund der notwendigen Fahrzeitverlängerungen der Omnibus- und Straßenbahnlinien den Rundumanschluss am Berliner Platz im "Nacht" verkehr ab 21 Uhr und Samstag/Sonntag bis 9 Uhr gefährdet. Drastische Verlängerungen der Reisezeit für die Fahrgäste sind die Folgen, der ÖPNV wird deutlich an Attraktivität verlieren.
Der VCD sieht bei bis auf Weiteres nur noch zwei verbleibenden rheinüberschreitenden Straßenbahnlinien des 10 min.-Taktes erhebliche Kapazitätsengpässe in den Wagen kommen. Ein zusätzlicher Busverkehr über die Konrad-Adenauer-Brücke zur Entlastung der Straßenbahnlinien 6 und 7 (Kurt-Schumacher-Brücke) erscheint uns nicht sinnvoll, da die Busse in Ludwigshafen und Mannheim im Stau stehen werden.
Zusammengefasst fordert der VCD Ludwigshafen zur Vermeidung eines Zusammenbruchs des ÖPNV das Folgende:
Der VCD weist darauf hin, dass eine Seilbahn aktuell nicht bringen würde, da sie erst gebaut werden muss. Gleiches gilt für eine Rheinquerung bei Altrip. Das ewige Wiederholen dieser Forderungen aus dem politischen Raum bringt den Fahrgästen des ÖPNV keinerlei kurz- oder mittelfristig wirksamen Erleichterungen.
"Wir sind überzeugt, dass unsere Vorschläge gut durchdacht und sachlich geboten sind. Der Widerstände und dem ewig gleichen Verweis auf die fehlenden Geldmittel sind wir uns bewusst, aber "Not kennt kein Gebot, und schlimmer geht immer", so Vogel abschließend.