Landesverband Rheinland-Pfalz
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Züge bleiben liegen, Klimaanlagen versagen, Fahrgäste sitzen stundenlang in überhitzten Waggons fest - diese „Beeinträchtigungen der Infrastruktur“, hier während der Hitzewelle in den letzten Wochen, sind angesichts der Klimakrise und ihrer Wetterextreme keine Ausnahme mehr.
Denn der Güter- und Personenverkehr wird zunehmend durch Wetterextreme verschiedenster Art beeinträchtigt. Auswirkungen wie Erdrutsche, Überschwemmungen, Stürme oder starke Hitze behindern regelmäßig den Verkehr. Die Risiken für das Zugnetz betreffen die Gleise, Telekom-munikation, Bauwerke und die Stromversorgung. Doch was unternimmt eigentlich die Deutsche Bahn, um die Schiene „klimasicher“ zu machen?
Bereits 2021 veröffentlichte die DB eine sogenannte „Klima-Resilienz-Strategie“ (https://ibir.deutschebahn.com/2021/de/konzern-lagebericht/gruene-transformation/klimaschutz/klimaresilienz/). Ziel sei es, das Schienennetz sowie Bahnhöfe und Technik robuster und wetterfester zu machen. Ein wesentlicher Bestandteil der Strategie ist das sogenannte „Vegetationsmanagement“: Bäume und Sträucher werden entlang der Schienen zurückgeschnitten, damit sie keine Gefahr darstellen.
Um zu verhindern, dass Züge aufgrund extremer Hitze ausfallen, versucht die Bahn mit verschiedenen technischen Maßnahmen die Gleisanlagen bei Hitze robuster zu machen. Auch im Innern der Züge stelle sich die DB auf Extremtemperaturen ein. So seien die Klimaanlagen des ICE 4 auf Temperaturen bis 45 Grad eingestellt.1
Auch unsere europäischen Nachbarn versuchen, ihr Schienennetz an die Wetterextreme anzupassen. In Belgien und Italien beispielsweise werden die Schienen weiß gestrichen, um den Wärmestau und damit letztlich auch die Wärmeausdehnung zu begrenzen. In der Schweiz werden die Schienen bei extremer Hitze mit einem Tankfahrzeug gekühlt.2
Die Schweiz und Österreich versuchen außerdem, die Schienen und Leitungen besser vor Lawinen und Erdrutschen zu schützen, indem sie die Entwässerungssysteme entlang der Strecken verbessern. Dabei geht es insbesondere darum, den Wald – einen echten Schutzschild – und bestehende Strukturen zu stärken.3
Dies ist auch das Ziel eines europäischen Projekts namens Rail4EARTH. Es soll aktuelle und zukünftige Klimadaten auf den Schienenverkehr anwenden, auch wenn es bis zur Umsetzung eines echten operativen Fahrplans noch ein langer Weg ist..
Festzuhalten bleibt: es besteht – trotz vorhandener Klima-Resilienz-Strategie - dringender Handlungsbedarf. Denn die bisherige Anpassung der Eisenbahninfrastruktur an klimabedingte Wetterextreme wird überschätzt. Das zeigt auch die vergangene Hitzewelle, bei der es erneut zu zahlreichen Verzögerungen und anderen Problemen kam. Ziel muss es sein, das Angebot auf der Schiene wetterfest zu machen, damit Fahrgäste ungehindert reisen und Güter stabil transportiert werden können. Denn obwohl der Schienenverkehr ein wichtiger Verbündeter im Kampf gegen den Klimawandel ist, ist er gleichermaßen ein Opfer seiner Auswirkungen.
1https://www.businessinsider.de/politik/deutschland/hitzewellen-stuerme-starkregen-wie-gut-ist-die-bahn-auf-extremwetter-vorbereitet/
2https://theconversation.com/le-train-survivra-t-il-au-rechauffement-climatique-253363
3 https://theconversation.com/le-train-survivra-t-il-au-rechauffement-climatique-253363