Landesverband Rheinland-Pfalz, Tourismus
Landesverband Rheinland-Pfalz

Radwege entlang des Mittelrheins noch lange nicht BUGA-tauglich

Nicht vorhanden, viel zu eng oder äußerst holprig – so präsentieren sich die Radrouten rechts und links des Mittelrheins noch an vielen Stellen.

Nur auf wenigen Abschnitten fühlt sich das Radfahren sicher und entspannt an. Dazu gehört der im Sommer 2023 eröffnete Radweg entlang der B42 auf dem hessischen Abschnitt des Mittelrheins zwischen Rüdesheim und Lorch. An manchen Orten trifft die Radfahrgruppe des VCD Rheinland-Pfalz bei ihren Testfahrten auf Baustellen, im Juli 2025 zum Beispiel in Lorch und Koblenz. Die Baustellen lassen hoffen, dass sich die Bedingungen für den Fuß- und Radverkehr vor der Eröffnung der Bundesgartenschau 2029 verbessern.

Nachhaltiges Verkehrskonzept erforderlich

Entlang des gesamten Mittelrheintals zwischen Bingen und Koblenz auf der linken Rheinseite sowie Rüdesheim und Koblenz auf der rechten Rheinseite soll sich die Bundesgartenschau erstrecken. Als Hauptstandorte sind Rüdesheim, Bacharach und Lahnstein vorgesehen, aber auch andere Orte werden zahlreichen Gästen ein attraktives Programm bieten.

Für die Anreise mit dem Auto ist das enge Mittelrheintal ungeeignet, denn die historischen Orte im engen Tal entlang des Rheins verfügen nicht über die Flächen, um einer großen Besucherzahl Pkw-Parkplätze bieten zu können. Auch die beiden Bundesstraßen entlang des Rheins, die B9 und die B42, stoßen schnell an ihre Kapazitätsgrenzen. Ein nachhaltiges Verkehrskonzept ist also auch jenseits von Klima- und Umweltschutzargumenten erforderlich für das Event mit bundesweiter und internationaler Ausstrahlungskraft. Mit einer Gesamtlänge von ca. 65 Kilometern ist die Strecke eigentlich prädestiniert, um die verschiedenen BUGA-Standorte mit dem Fahrrad zu erkunden, je nach Herkunftsort in Verbindung mit einer Bahnanreise und gegebenenfalls Leihfahrrädern.

 

Aktuell eher Frust statt Lust

Eigentlich… Denn derzeit können wir das Radfahren beidseitig des Rheins nur auf wenigen Abschnitten guten Gewissens auch für Familien mit Kindern oder Räder mit Gepäck empfehlen. Selbst für geübte Radfahrende besteht ein hohes Frustrationspotenzial, denn auch benutzungspflichtige Radwege weisen vielerorts Breiten von weniger als zwei Metern auf, teilweise sogar nur 1,10 m. Das ist besonders unangenehm und gefährlich, wo es keine bauliche Trennung und Absicherung zur Fahrbahn der Bundesstraße gibt. Begegnungen mit Fahrrädern im Gegenverkehr arten hier schnell in Stress aus und Überholen ist in der Regel nicht möglich. Obendrein ist an vielen Stellen die Oberfläche aufgebrochen. Baumwurzeln oder andere Fahrbahnschäden sorgen für eine holprige Fahrt und Sturzgefahr, vor allem in der Dämmerung oder Dunkelheit.

Eine verpasste Chance

Leider wird sich daran gemäß den aktuellen Planungen bis zur BUGA nur teilweise etwas ändern. Das Land Rheinland-Pfalz droht eine Chance zu verpassen, das Mittelrheintal mit einer nachhaltigen Verkehrsentwicklung auch für die Zeit danach zukunftstauglich zu machen. Denn die Veranstalter setzen in erster Linie auf temporäre Park & Ride – Parkplätze in den Seitentälern mit Shuttleverkehren zu den Buga-Standorten. Das ist weder klimafreundlich, noch hat es einen Nutzen für die Zeit nach dem Großevent. Die Schaffung einer sicheren und komfortablen Radverkehrsinfrastruktur entlang des gesamten Mittelrheins wird hingegen angesichts des Zeithorizonts, der Kosten sowie des Planungs- und Umsetzungsaufwands für nicht machbar erklärt. Das ist bitter, denn den Gemeinden im Mittelrheintal würde es guttun, eine bessere Perspektive für die Mobilität der eigenen Bürger und den zunehmenden Radtourismus zu haben.

Auch bei der Bahn gibt es bekanntlich noch viel zu tun, damit sie für den BUGA-Besuch ein attraktives Verkehrsmittel wird. Wer die Strecken kennt, weiß, dass hinsichtlich der Fahrgastkapazitäten, Takt und Zuverlässigkeit sowie in punkto Barrierefreiheit noch viel Luft nach oben ist. Es bleibt zu hoffen, dass die für 2026 und 2028 geplanten Streckensanierungen die notwendigen Verbesserungen bringen und ausreichende Kapazitäten auf die Strecke gebracht werden.

(CK)

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