Landesverband Rheinland-Pfalz
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"Meine wichtigsten Anliegen sind eine zuverlässige Bahn, sicheres Radfahren und ein guter ÖPNV"

Interview mit Christiane Rohleder

Dr. Christiane Rohleder ist neue Bundesvorsitzende des VCD. Bei einer vorgezogenen Neuwahl auf der Bundesdelegiertenversammlung erhielt sie 93 Prozent der Stimmen. Anlass der Wahl war der Rücktritt der langjährigen Vorsitzenden Kerstin Haarmann, die ihr Amt aus Zeitgründen niederlegte.

Christiane Rohleder war bis zum Regierungswechsel Staatssekretärin im Bundesministerium für Umwelt und Verbraucherschutz und hat sich dort für Klimaschutz im Verkehr eingesetzt – unter anderem war sie an den EU-Regelungen zum Verbrenner-Aus beteiligt. Aufgewachsen in St. Ingbert (Saarland), war sie von 2016-2021 im Ministerium für Ministerium für Familie, Frauen, Jugend, Integration und Verbraucherschutz Rheinland-Pfalz tätig. Dort hat sie sich bereits u.a. für mehr Fahrgastrechte bei der Bahn stark gemacht.

Wir haben mit ihr ein kurzes schriftliches Interview geführt und einige rheinland-pfälzische Verkehrsthemen angerissen. Ein kleiner persönlicher Rückblick auf ihre Station in Rheinland-Pfalz ist natürlich auch mit dabei. 

VCD RLP: Rheinland-Pfalz hat das Konzept der „Pendlerradrouten“ erfunden. Es bezeichnet Ausbaustrecken für Radverbindungen, die das Radfahren auch im Alltag ggfs. über Ortsgrenzen hinaus gestatten - mit Wegweisungen, brauchbarem Bodenbelag, akzeptabler Breite (3m), sicherer Querung von anderen Straßen. Könnte das Konzept angesichts der Probleme bei der Umsetzung der Radschnellwege in NRW und anderswo (Norm >= 4m breit) vielleicht zwar wenig anspruchsvoll, aber doch vernünftig, da leichter umsetzbar, sein? 

Christiane Rohleder: Ich denke, dass die 4 m Norm durchaus sinnvoll sind, da es sonst mit Gegenverkehr teilweise schon schwierig wird. Aber natürlich ist ein 3m Radweg mit gutem Untergrund viel besser als gar kein Radweg. Ich bin hier pragmatisch und begrüße erstmal jede Verbesserung, die Radfahren einfacher und sicherer macht. Wenn ein Weg aber erstmal gebaut ist, dann wird man ihn nicht so schnell nochmal anpassen und verbreitern. Insofern ist es durchaus sinnvoll, wo immer es möglich ist, Radwege direkt 4 m breit zu bauen.
 

VCD RLP: Das Thema Schienengüterverkehr im Mittelrheintal ist komplex. Alternative Routen werden diskutiert, sind aber weit entfernt von einer Umsetzung. Ein großes Versäumnis ist bspw., dass die Eifelstrecke aus finanziellen Gründen nach den Hochwasserschäden 2021 nur eingleisig wiederaufgebaut wird. Wirkliche Entlastung für das Mittelrheintal ist eher nicht in Sicht. Uns würde daher interessieren, welche Erwartungen der VCD an den Bund hat, um die Lärmbelastung im Schienengüterverkehr generell zu reduzieren und trotzdem einen leistungsfähigen Güterverkehr sicherzustellen? 

Christiane Rohleder: Das Umweltbundesamt hat im letzten Jahr eine umfassende Strategie für einen „Umweltschonenden Güterverkehr" veröffentlicht. Fakt ist, dass Gütertransporte auf der Schiene deutlich klimaschonender sind als über die Straße. Im Vergleich zum LKW sind die klimaschädlichen Emissionen bei der Bahn im Schnitt viermal geringer. Gleichzeitig können Gütertransporte aber eine erhebliche Lärmbelästigung darstellen. Das zeigt sich im Mittelrheintal ganz besonders. Ich erinnere mich selbst an Übernachtungen dort, bei denen Schlaf bei offenem Fenster nicht gut möglich gewesen wäre. Zentral ist aus Sicht des VCD, den Lärm an Schienen so stark wie möglich zu begrenzen. Und hier ist noch deutlich Luft nach oben. Wir erwarten vom Bund hierzu verbindliche Vorgaben bei der Einführung von lärmmindernden Bremsen und Drehgestellen und eine deutliche Ausweitung der Investitionen beim Lärmschutz an den Bestandsstrecken. Das würde das Problem auch unabhängig von möglichen Trassenänderungen oder Neubauten schon deutlich entschärfen. 

 

VCD RLP: Der “Lückenschluss” der A1 zwischen Kelberg und Blankenheim rückt näher. Die rheinland-pfälzische Verkehrsministerin Schmidt unterstützt das Vorhaben und fordert, dass „der Bund und Bundesverkehrsminister Schnieder jetzt sicherstellen, dass die Finanzierung vollständig abgesichert“ wird. 
Wie bewertest du den fortwährenden Autobahn- und Straßenneubau in Deutschland (die A1 ist ja nur ein Beispiel unter vielen)? Wie kann Verkehrsplanung mit Fokus auf Klimaschutz und nachhaltige Mobilität endlich zur landes- und bundespolitischen Priorität werden?
 (Auch ein Bau der Mittelrheinbrücke im Unesco-Weltkulturerbe „Oberes Mittelrheintal“ wird pünktlich zur Landtagswahl 2026 wieder diskutiert..)

Christiane Rohleder: Dass der Bund 3 Milliarden für neue Straßen investiert anstatt in die klimafreundliche Schiene ist das völlig falsche Signal. Ich halte es für grundfalsch, viel Geld in neue Straßen zu stecken, mit denen die Natur weiter zerstört und zerschnitten wird und so das Artensterben weiter befeuert wird, während die vorhandene Infrastruktur zu verrotten droht. Das vernichtet Zukunft anstatt die Zukunft positiv zu gestalten. Das Prinzip Erhalt vor Neubau ist zentral, um Mittel zielgerichtet einzusetzen. Es nutzt auch Autofahrenden nichts, wenn sie auf einer verbreiterten Autobahn Gas geben können, dann aber wegen einer gesperrten Brücke einen riesigen Umweg fahren müssen. Bund, Länder und Kommunen müssen in allen Bereichen dringend umsteuern und die Mittel gezielt dorthin lenken, wo sie das Klima und die Natur schützen und so eine echte Investition in die Zukunft darstellen.


VCD RLP: Welche Schwerpunkte planst du für den VCD zu setzen? Welche Themen liegen dir persönlich besonders am Herzen?

Christiane Rohleder: Meine wichtigsten Anliegen sind eine zuverlässige Bahn, sicheres Radfahren und ein guter ÖPNV. Die Bahn muss wieder zuverlässig werden. Dazu braucht es an allererster Stelle mehr Geld und vor allem den zuverlässigen Geldfluss. Wenn Züge nicht ordentlich gewartet werden, ist klar, dass sie häufig unterwegs Probleme bekommen. Hier braucht es ausreichende Mittel und diese müssen auch zuverlässig fließen. Wenn eingeplante Mittel plötzlich in Frage gestellt werden wie neulich bei den Trassenpreisen, ist das Gift für eine zuverlässige Bahn. Auch die Information der Fahrgäste muss deutlich besser werden. Persönlich besonders wichtig ist mir, dass Radfahren sicher wird. Ich bin fast täglich mit dem Rad unterwegs und erlebe häufig wie gefährlich es ist, an parkenden Autos vorbeizufahren oder auf die Fahrbahn auszuweichen, wenn der Radweg zugeparkt ist. Hier braucht es ausreichend geschützte Radwege. Und auch ein gut ausgebauter ÖPNV ist essentiell für die Verkehrswende. Nur wenn es für alle gute Alternativen gibt, werden Leute ihr Auto abschaffen oder jedenfalls öfter mal stehenlassen. 


VCD RLP: Was hast du aus Rheinland-Pfalz mitgenommen? Sowohl im wörtlichen als auch im metaphorischen Sinne des Wortes?

Christiane Rohleder: Ich habe aus Rheinland-Pfalz viele schöne Erinnerungen und gute Laune mitgenommen und einfach eine sehr angenehme Art des Umgangs miteinander. Das bringe ich gern auch wieder an anderen Orten ein. Im wörtlichen Sinn habe ich einen Schutzengel mitgenommen, den ich zum Abschied geschenkt bekommen habe. 


VCD RLP: Hast du einen Ausflugstipp in Rheinland-Pfalz, der gut per ÖPNV erreichbar ist? Wo hat es dir in unserem Bundesland am besten gefallen?

Christiane Rohleder: Leider hatte ich viel zu wenig Zeit für Wanderungen oder Radtouren in Rheinland-Pfalz. Ich wäre sehr gern mal im Pfälzer Wald oder im Hunsrück-Nationalpark wandern gegangen und das steht auch immer noch auf meiner Liste, aber leider bin ich noch nicht dazugekommen. Gut gefallen hatte es mir im Soonwald, aber ehrlich gesagt weiß ich nicht mehr, wie ich da hingekommen bin. 


Liebe Christiane, wir danken dir für deine Zeit und wünschen dir viel Kraft, Motivation und Durchsetzungsvermögen für deine Arbeit als Bundesvorsitzende.
 

 

 

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