Landesverband Rheinland-Pfalz
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Die Ernennung von Evelyn Palla zur Vorstandsvorsitzenden der Deutschen Bahn markiert einen symbolträchtigen Wechsel. Auf den ersten Blick erscheint er als Fortschritt – insbesondere in Fragen der Diversität und Modernisierung. Doch ob sie die Bahn ins 21. Jahrhundert katapultieren vermag, gilt es abzuwarten.
Die Herausforderungen, vor denen die DB steht, sind bekanntermaßen gewaltig… Denn nicht nur das Schienennetz der DB ist ein Erbe der Planungen des 19. Jahrhunderts. „Noch heute ist das Schienennetz in Deutschland ein Zeugnis der Entscheidungsfreude des 19. Jahrhunderts“, formuliert die DB [https://www.deutschebahn.com/de/Chronik-von-1835-bis-heute-6879062]. Die Gleise dürften vielerorts auch nicht viel jünger sein. Die Tunnel auf den Nebenstrecken, die nicht die Höhe bieten, die für einen Fahrdraht für eine Elektrifizierung der Strecke notwendig wären, sind buchstäblich steinalt.
Nachdem 100 Jahre lang die Herren den Bahn-Karren in den Schlamm geschoben haben, soll jetzt eine Frau ihn wieder herauszuziehen. Auf jeden Fall bringt sie einige Voraussetzungen mit, dass sie erfolgreicher wirken kann als ihre Vorgänger. Sie hat ihre Arbeit im Bahn-Vorzeigeland Österreich gestartet und konnte bei ihrer bisherigen Tätigkeit bei der DB den Regionalverkehr aus dem Defizit führen. Die Bahnwelt hat sie auch „von unten“ kennengelernt, indem sie sich in einem berufsbegleitenden Lehrgang zur Lokführerin ausbilden ließ. Das soll allerdings in den strikten Strukturen der DB anscheinend weder bei den Vorstandskollegen noch bei den Gewerkschaftlern auf Begeisterung gestoßen sein.
Die Frage: Kann Palla den Hebel umlegen und die Bahn zuverlässig, kundenfreundlich und zum soliden Glied einer nachhaltigen Mobiltät machen, solange der Bund nicht wesentlich mehr Geld als geplant für die heruntergewirtschaftete Infrastruktur freigibt? Denn nur dann kann die Bahn ihrer Rolle als Rückgrat der Verkehrswende gerecht werden – mit oder ohne neue Führung.