Landesverband Rheinland-Pfalz

Das Fahrrad (neu) entdecken – jetzt ist die beste Zeit zum Losradeln

Der Frühling ist da, die Sonne kommt raus, und damit beginnt die schönste Zeit, aufs Fahrrad zu steigen. Denn Radfahren im Alltag macht Spaß und bedeutet Unabhängigkeit. Keine Wartezeiten an der Haltestelle, keine Parkplatzsuche, kein Fahrtkosten-Stress, sondern aufsteigen und losfahren. Die folgenden Tipps helfen, wenn man das Fahrrad für sich wiederentdecken möchte oder bisher vielleicht noch gar kein eigenes Fahrrad hatte.

Das Gute ist: Die Basis-Ausstattung muss kein Vermögen kosten. Vieles bekommt man gebraucht oder im Angebot und kleine Dienstleistungen sogar kostenlos bei Checks von Vereinen, Projekten oder Aktionstagen.

Wichtig ist: Perfekt muss nichts sein. Es reicht, mit einem verkehrssicheren Rad zu starten und Schritt für Schritt das zu ergänzen, was wirklich hilft.

1. Die Pflicht: Was das Fahrrad wirklich braucht

Ein paar Dinge machen das Rad sicher und sind auch gesetzlich vorgeschrieben. Doch das ist kein Hexenwerk – denn vieles davon befindet sich vielleicht schon auf dem Fahrrad oder lässt sich günstig nachrüsten.

a) Beleuchtung – sehen und gesehen werden

Licht ist Pflicht, sobald es dämmert oder das Wetter trüb wird. Das klingt streng, ist aber sinnvoll. Denn mit gutem Licht fährt es sich viel entspannter. Wichtig ist vor allem:

  • Vorne ein weißes, hinten ein rotes Licht (nicht blinkend)
  • Reflektoren an Pedalen, Reifen oder Speichen – oft schon ab Werk dabei
  • Das Licht sollte so hell sein, dass man gut gesehen wird, aber andere nicht blendet. So wird’s gemacht: Man stellt das Rad mit dem Vorderrad an eine Mauer und stellt den Scheinwerfer so ein, dass die Oberkante des Lichtkegels knapp unterhalb der Anbauhöhe des Scheinwerfers liegt.

Ein Licht muss nicht teuer sein. Diese Möglichkeiten gibt es:

  • Dynamo-Licht läuft immer mit, ohne Akku oder Batterien – oft schon verbaut
  • Akkuleuchten sind günstig nachrüstbar und lassen sich bequem mit in die Wohnung nehmen und aufladen

b) Schloss – damit das Rad da bleibt, wo es abgestellt wurde

Ein gutes Schloss gehört dazu. Faustregel: Etwa 10 Prozent des Fahrradwertes sollte man in ein Schloss investieren.
Tipp: Am besten immer den Rahmen an einem festen Gegenstand anschließen, nicht nur das Vorderrad.

c) Bremsen, Reifen und Klingel – der kostenlose Frühjahrs-Check

Viele Probleme lassen sich mit wenig Kosten lösen:

  • Reifendruck: Zu weiche Reifen machen das Fahren mühsam und erhöhen das Pannenrisiko. Den richtigen Druck (z.B. 3–5 bar) findet man auf der Reifenflanke. In vielen Städten gibt es öffentliche Luftpumpen, auch in Selbsthilfe-Werkstätten kann man den platten Reifen wieder aufpumpen.
  • Bremsen: Sie sollten gleichmäßig zupacken und nicht schleifen, die Bremsbeläge sollten noch genügend Gummi haben. Falls es quietscht oder schleift, ist es Zeit, die Beläge auszutauschen. Das kostet meist nur ein paar Euro, ist aber eine wichtige Investition in die eigene Sicherheit.
  • Klingel: Klein, aber Pflicht – und im Alltag wirklich hilfreich.

Tipp!
In vielen Städten werden zum Start der Saison kostenlose oder günstige „Frühjahrs-Checks“ angeboten, z.B durch solidarische Fahrradläden oder, wie in Mainz, gemeinnützige oder politisch aktive Ortsgruppen. In Selbsthilfe-Werkstätten kann man mit Unterstützung selbst Hand anlegen und gleich etwas dabei lernen – oft gegen eine kleine Spende. 

 

2. Die Kür: Nach Bedarf und Lebenssituation

Wenn das Pflichtprogramm steht, lohnt sich ein Blick auf das, was persönlich erwünscht und machbar ist. Hier kommt es auf die eigene Lebenssituation an: Kinder, Einkäufe, Arbeitsweg.

a) Gepäck transportieren: Korb, Tasche & Co.

Einkäufe im Rucksack sind möglich – aber mit Gepäckträger und Korb sind die Hände und der Rücken frei. Praktische Lösungen:

  • Gepäckträger mit einfacher Kiste oder Korb – neu oder gebraucht
  • Gepäckträgertaschen oft günstig über Kleinanzeigen zu finden
  • Kindersitz oder Anhänger, wenn Kinder transportiert werden sollen – hier auf Sicherheit und Zulassung achten!

Tipp!
 Second-Hand-Läden, Online-Kleinanzeigen, Tauschbörsen im Quartier oder Sozialkaufhäuser sind oft die günstigere Wahl als teure Neuware im Fachhandel.

b) Wetterfest: Schutzbleche & Regenponcho

Wer auch bei schlechtem Wetter mit dem Fahrrad mobil sein will, braucht kein Profi-Equipment:

  • Schutzbleche (vorne und hinten) lassen sich fast immer nachrüsten und halten Schmutz und Nässe vom Körper fern.
  • Ein einfacher Regenponcho oder eine günstige Regenjacke reichen völlig. Hauptsache, man kann sich gut bewegen und es gerät nichts in die Kette oder die Speichen.

Tipp!
 Es lohnt sich, bei Freunden oder Verwandten nachzufragen. Viele haben Regenkleidung, die sie gar nicht nutzen.

c) Fahrradhelm

Ein Helm ist keine Pflicht, kann den Kopf aber bei einem Sturz schützen. Wichtig ist, dass der Helm gut sitzt, die Prüfsiegel enthält (DIN EN 1078 für Erwachsenenhelme / DIN EN 1080 für Kinderhelme) und er sollte nicht gebraucht gekauft werden, da man nie weiß, ob er noch intakt ist. Denn nach einem Sturz mit Aufprall oder wenn der Helm auf den Boden gefallen ist, muss er ersetzt werden. 

d) Kleine Helfer für längere Strecken

Wenn man längere Wege fährt oder pendelt, können kleine Extras sehr praktisch sein:

  • Eine kleine Luftpumpe zum Mitnehmen
  • Flickzeug oder ein Ersatzschlauch – in Selbsthilfe-Werkstätten lernt man leicht, wie Flicken funktioniert.
  • Handyhalterung für die Navigation – Route vor Abfahrt im Handy einstellen, dann entspannt losfahren.
     

3. Was man sich sparen kann

Viele Hersteller wollen unglaublich viel Zubehör rund ums Rad verkaufen. Das meiste braucht man im Alltag jedoch gar nicht: 

  • teure Sportkleidung oder spezielle Radschuhe – normale, bequeme Kleidung reicht
  • hochpreisige Fahrradcomputer – fürs Ankommen braucht man das nicht
  • viele Spezialwerkzeuge – die meisten Dinge gibt es in der Selbsthilfe-Werkstatt

Tipp!
Wenn das Budget knapp ist, gilt: Erst in Sicherheit und Funktion investieren (Licht, Bremsen, Schloss), dann in das, was im Alltag hilft. Alles andere kann warten.

Lust, das Rad fit zu machen, aber keine Ahnung, wo anfangen? Vielleicht gibt es in der Nähe einen Aktionstag, eine Selbsthilfewerkstatt oder einen kostenlosen Frühjahrs-Check gibt – oft ist der erste Schritt leichter als gedacht.

Dieser Artikel ist im Rahmen des VCD-Projekts „Mit:Rad – Auf zwei Rädern zu mehr Teilhabe und Selbstständigkeit“ entstanden, das vom Bundesministerium für Verkehr (BMV) aus Mitteln zur Umsetzung des Nationalen Radverkehrsplans gefördert wird.
(Autorinnen: Alina Gollia und Kim Villinger)

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