Landesverband Rheinland-Pfalz

A 643: Betonieren gestoppt

Die EU-Kommission hat den Ausbau der A643 durch das einzigartige Naturschutz- und Erholungsgebiet „Mainzer Sand“ vorerst gestoppt. Nach dem Motto „Betonieren statt das natürliche Erbe respektieren“ plante der Landesbetrieb Mobilität (LBM) die Verbreiterung des Autobahnstücks auf 6 Spuren plus 2 Standspuren.

Die Naturschutzverbände im Bündnis auch mit dem VCD protestieren seit Jahren gegen die Verbreiterung des Autobahnstücks. Auch die Stadt Mainz ist sich der Bedeutung des Gebietes für die Menschen und die Natur bewusst. Sogar die Mainzer CDU hat nicht einhellig den 6+2-Ausbau befürwortet. Den Landesbetrieb Mobilität (LBM) hat das dennoch nicht angefochten und den auf 250 Millionen Euro Kosten geschätzten Ausbau vorangetrieben. 
Doch der Eingriff in ein europäisches Natura 2000-Gebiet muss durch die EU-Kommission genehmigt werden. Die Genehmigung wurde jetzt zumindest vorläufig versagt. Denn der LBM habe laut den vorgelegten Unterlagen 

  • die Verträglichkeitsprüfung mit dem Naturschutzgebiet unzureichend durchgeführt,
  • nur unzureichend Alternativen zum 6+2-Modell für die Erreichung der verkehrlichen Ziele geprüft,
  • keine ausreichenden Ausgleichsmaßnahmen für die zu erwartenden Schäden vorgesehen. 

Insbesondere weist die Kommission darauf hin, dass mit einer maßvollen Konsolidierung der Autobahn auf 4+2-Spuren und eine Geschwindigkeitsbeschränkung auf 100 km/h die schädlichen Auswirkungen und auch die Gefahren für den Verkehr weitgehend vermieden würden. Eine gefährliche Zufahrt könne durch eine Ampelsteuerung entschärft werden.

Mit anderen Worten: Der Landesbetrieb Mobilität hat seine Hausaufgaben nicht ordentlich bearbeitet. „Betonieren statt denken“, so charakterisiert Rupert Röder vom Landesvorstand des alternativen Verkehrsclub VCD das Verfahren des LBM. Er fordert die rheinland-pfälzische Verkehrsministerin Schmitt und den aus Rheinland-Pfalz stammenden Bundesverkehrminister Schnieder auf: „Nehmen Sie das Signal aus der EU ernst, schützen Sie im Interesse der Menschen das Naturerbe des Landes.“

Hintergrund

Die Autobahn A 643 verbindet über eine Rheinbrücke – die wegen eines Pfeilerbruchs bundesweit berühmt gewordene Schiersteiner Brücke – die rechtsrheinische Autobahn A 66 mit dem Mainzer Autobahnring auf der linken Rheinseite. Im ewigen Ausbauritual der Autobahnplaner stehen alle beteiligten Autobahnen auf der Liste der auf mindestens 6 Spuren zu verbreiternden Strecken. Die Logik dabei lautet, wo Verkehr ist, sei zu erwarten, dass mehr Verkehr sein will. Das wird als ganz unabhängig von der Klimakrise behandelt, obwohl diese sogar rechtlich normiert die Reduktion des Verkehrs erfordert. Auf der hessischen Seite ist der Autobahnausbau in vollem Gang. Auch die Schiersteiner Brücke, marode geworden durch viel zu viel Auto- und LKW-Verkehr, ist bereits mit vergrößerter Breite neu errichtet.

„Dumm“ nur, dass die Verlängerung der Brücke auf der rheinland-pfälzischen Seite durch ein Natura 2000-Schutzgebiet führt. Das Gebiet beherbergt aufgrund seiner besonderen Lage und der sandigen, nährstoffarmen Bodenbeschaffenheit einen letzten Rest geschützter Pflanzen- und Tierarten aus der nach der Eiszeit entstandenen Sanddünenlandschaft und bietet außerdem im dicht besiedelten Mainz eine der wenigen Spaziergangsmöglichkeiten. Die Naturschutzverbände im Bündnis auch mit dem VCD protestieren deshalb seit Jahren gegen die Verbreiterung des Autobahnstücks auf 6 Spuren plus 2 Standspuren der gegenwärtigen vierstreifigen Autobahn. Schon die bestehende Straße hat dem Naturschutzgebiet wertvollen Boden entzogen und den Lebensraum der bedrohten Arten durchschnitten, so dass die Populationen aufgetrennt und dadurch noch stärker gefährdet sind. 6+2 nach heutigen Normen gebaut und mit Lärmschutzwänden versehen würde den beanspruchten Raum überproportional vermehren. Zudem würde der verstärkte und beschleunigte Verkehr den Stickstoffeintrag in das Gebiet erhöhen und damit die besondere Bodenbeschaffenheit weiter beeinträchtigen.

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