Rheinland-Pfalz

Auto & Straße, Pressemitteilung, Verkehrsplanung
Rheinhessen

Kein Ausbau der A 643

Im Rahmen der Erneuerung der Schiersteiner Brücke soll auch die A 643 zwischen Brücke und Autobahnanschluss Mainz-Gonsenheim sechsstreifig ausgebaut werden.

Der VCD Rheinhessen lehnt jeglichen Ausbau dieser Strecke strikt ab. "Beim Bau der Autobahn Anfang der 60er Jahre, wurden Naturschutzbelange massiv übergangen und die örtlichen Behörden missachtet", so Helga Schmadel, die Vorsitzende des ökologisch orientierten Verkehrsclubs in Rheinhessen.

Tiefe Verletzung des Naturschutz

"Die örtlichen Behörden stellen heute selbst fest, dass die Zerstörung des Naturschutzgebietes Mainzer Sand, das gleichzeitig FFH- und Vogelschutzgebiet ist, und des Naturschutzgebietes Mombacher Rheinufer in den 60er Jahren ein Verbrechen war (siehe Presseberichte vom Februar 09). Warum widersetzen sie sich dann nicht der Steigerung des Verbrechens, durch die Verbreiterung um ca. 10 m auch noch die Reste des wichtigen Naherholungsgebietes Mainzer Sand / Gonsenheimer Wald zu entwerten?" fragt sie weiter. Der VCD befürchtet nach dem bisherigen Verlauf der Diskussionen das Schlimmste:

Die Salamitaktik

Zu Beginn der Diskussion 2007 wurde - wohl zur Beruhigung der Öffentlichkeit - von einer Tunnellösung (ca 1 km lang) gesprochen. Alsbald wurde festgestellt, das sei zu teuer und von ein- bis zwei Landschaftsbrücken mit einer Breite von je 200 m gesprochen. Ein Jahr war inzwischen über den Vorbereitungen gebrütet worden. Im nächsten Schritt im Sommer 2008 war dann von Lärmschutz und von einer Landschaftsbrücke mit mindestens 50 m Breite die Rede. Schließlich zeigten sich der Park- und Verkehrsausschuss und die Ortsbeiräte der betroffenen Ortsteile entsetzt, als das zuständige Autobahnamt Montabaur die ersten Pläne vorlegte, die tatsächlich noch eine Brücke und teilweise Lärmschutzwände vorsahen, die Mombach und Gonsenheim nach dieser Seite wie eine Mauer abriegelten. Als sei dies nicht genug, soll nach dem Ausbau auch noch das Tempolimit auf 130 km/hangehoben werden, verbunden mit einer Steigerung des Fahrlärms und der Emissionen.

Notwendig: Mobilitätspolitik mit Konzeption

Immer wieder müssen die Verkehrsbehörden nach solchen Ausbaumaßnahmen feststellen, dass neue und bessere Straßen mehr Verkehr anlocken und die alte (Stau-) Situation bald wiederhergestellt ist. Ein schlimmes Beispiel dafür ist die Schiersteiner Brücke selbst, die auch durch die massive Schwerlast-Nutzung nach nur 40 Jahren irreparabel ist. "Gerade werden mit der Buslinie 45 zaghafte Versuche gemacht, an dieser Stelle öffentliche Verkehrsmittel einzusetzen. Nur so lässt sich ein hoher Mobilitätsgrad ökologisch verantwortbar umsetzen", so Schmadel. Leider ruhen die Pläne für die notwendigen großräumigen Lösungen wie eine Stadtbahn, die das Mainze- und das Wiesbadener Umland miteinander verbinden würden. Hier könnten die Millionen wesentlich sinnvoller investiert werden, dies wäre eine echte Alternative zur erheblichen Umweltzerstörung.

Mensch vor Industrie

Das Naherholungsgebiet Mainzer Sand/Gonsenheimer Wald ist für die Menschen unersetzlich. Hier dürfen nicht weiter die Gesundheit und das Wohlbefinden der Menschen einem vermeintlichen technischen Fortschritt geopfert werden. Schließlich ist die Region schon extrem belastet und durch Flughafenausbau, Kohlekraftwerk, Stadionbau und weiter Maßnahmen in ihrer Lebensqualität nachhaltig bedroht.

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