Rheinland-Pfalz

Radverkehr
Rhein-Lahn-Westerwald

Radverkehrskonzept als Chance für eine bessere Mobilität im Westerwald

Möglichst viele Menschen im Westerwald sollen für alltägliche Fahrten zur Arbeit, Schule und Ausbildung, zum Einkauf sowie in der Freizeit das Fahrrad nutzen können. Das fordert eine Initiative des Kreisverbands Rhein-Lahn-Westerwald. Bei einer Infoveranstaltung mit mehr als 70 Interessierten in Montabaur wurde deutlich: Die Bedingungen dafür in Form von geeigneten Radwegen fehlen.

Im Westerwald werden derzeit nur wenige Wege mangels geeigneter Infrastruktur mit dem Fahrrad zurückgelegt. "Da aber viele Strecken mit dem Auto in den Nahbereich von ein bis zwei Kilometer oder in den mittleren Bereich bis zu 5 Kilometer fallen, ist hier ein großes Potenzial vorhanden. Hinzu kommt, dass zwischen Rennerod und Höhr-Grenzhausen die Entfernungen zwischen den Städten und Gemeinden meist im fahrradtauglichen Bereich liegen", erklärte der Kommunalpolitiker Uli Schmidt einleitend.

Insbesondere die VG Montabaur ist geradezu prädestiniert für alltagstaugliche Radwege, da zwischen vielen Gemeinden oft nur ein Katzensprung liegt. Auch die hügelige Landschaft stellt heute danke E-Bikes meist kein Problem mehr dar. Außerdem macht Rad fahren Freude und nützt der Umwelt und der eigenen Gesundheit.

Dr. Rupert Röder vom VCD-Landesverband sprach in einem Impulsvortrag zum Thema "Zukunft Radverkehr". Ziel muss es sein, von der autogerechten zur menschengerechten Stadt zu kommen, so seine Kernaussage. Insbesondere der Ausbau des Öffentlichen Personennahverkehrs und die Entwicklung von sinnvollen Fuß- und Radwegen sind hierfür geeignete Mittel. Denn eines sei auch klar: Bis zu fünf oder gar zehn Kilometern sei das Rad auch ein schnelles Fortbewegungsmittel. Allerdings seien die bisher vorhandenen Strecken nur bedingt für den Alltagsverkehr geeignet: "Wer will schon bei Dunkelheit über holprige Feldwege fahren?", fragte Röder und plädierte dafür, sich zum Beispiel in den Niederlanden Anregungen für sinnvolle und praktische Radwege zu holen.

Röder machte auf einen weiteren kritischen Punkt aufmerksam: Innerörtliche Radwege seien oft Rad-weg-Wege. Sie seien oft einfach zu schmal und machen Begegnungsverkehr von Fahrrädern mit Kinderanhängern beispielsweise zu einem Sicherheitsrisiko.

Eine wichtige Voraussetzung für mehr Alltagsverkehr mit dem Fahrrad sind sichere, komfortable, direkte und schnelle Radwegeverbindungen. Daran mangelt es in Westerwaldkreis, war man sich unter den Beteiligten an der Veranstaltung einig: Der Anteil von Kreisstraßen, Landes- und Bundesstraßen mit einem alltagstauglichen Radweg ist minimal. Dagegen gibt es bei den touristischen Radwegen durch Feld und Wald ein gutes Angebot. Wie es künftig in Sachen Alltagsradfahren im Westerwaldkreis aussehen könnte, soll in einem Radverkehrskonzept erarbeitet werden: Regelmäßig fortgeschriebene Straßenbauprogramm des Westerwaldkreises sollen immer auch notwendige Investitionen in die Schaffung von neuen und die Sanierung bestehender Radwege vorsehen.

Außerdem berichteten verschiedene Initiativen und Privatpersonen von ihren Erfahrungen als Radfahrende im Westerwald:

1. Rad- und Fußwege bei Straßen nicht mit gebaut: Auch die Initiative, die sich für einen alltagstauglichen Radweg zwischen Montabaur und Holler und darüber hinaus bis ins Buchfinkenland einsetzt, kam bei der Veranstaltung in der Bürgerhalle zu Wort. Rita Schneider von der Initiative Radweg L?326 stellte fest, dass das Projekt eigentlich schon 25 Jahre alt sei. Dennoch habe man auch bei Bauprojekten in den vergangenen Jahren - wie die sogenannte "Seltener-Vogel-Brücke" zwischen Montabaur und Holler - nichts für Fußgänger oder Radfahrer vorgesehen. Nach mehreren demonstrativen Befahrungen der Strecke mit Rädern im vergangenen Jahr werde man dies auch in diesem Jahr fortsetzen: am 6. April, 1. Juni, 3. August und 5. Oktober.

2. Ausgerechnet Radweg als "lebensgefährlich" eingestuft: Was ihn als Radfahrer in der und um die Kreisstadt alles stört - davon berichtete Sören Sander, der dort häufig radelnd unterwegs ist. Sein negativstes Beispiel war ausgerechnet einer der wenigen Radwege in Montabaur: der einseitige auf dem Bürgersteig in der Alleestraße. Den bezeichnete der passionierte Radfahrer als "lebensgefährlich". Eine Ausfahrt nach der anderen (Tankstelle, Einkaufsmärkte, Unternehmen usw.) und die Kreisel seien für den Zweiradfahrer Gefahrenpunkte. Schon der Anfang stadtauswärts sei überhaupt nicht zu erkennen; außerdem höre der Radweg einfach "irgendwo" auf. Für ihn sei das Radfahren in Montabaur einfach nur "enttäuschend", fasste Sander zusammen.

3. Viele Schlaglöcher ärgern die Montabaurer Radsportler: Von Problemen mit schlechten Straßen und vielen Schlaglöchern berichtete Peter Jurkschat vom schon 1988 gegründeten Radsportverein RSG Montabaur. Dem Verein gehören rund 110 aktive Radler - darunter auch 30 bis 40 Jugendliche - an, die teilweise bis zu 15.000 Kilometer pro Jahr auf dem Rad zurücklegen. Leider habe man auch schon einen tödlichen Unfall erlebt. Da sei es umso wichtiger - immer mit Helm -, auf vernünftigen Radstrecken unterwegs zu sein. Jurkschat wünscht sich für seine Radsportler einen separaten Radweg durchs Gelbachtal. Denn auch das Verhältnis zwischen Auto- und Motorradfahrern und Radfahrern sei auf beiden Seiten nicht immer das Beste.

4. Bei Radwegebau Klimaschutz und Naturschutz beachten: Dass mehr Rad fahren auch den Klimaschutz nach vorne bringen kann, machte Henrik Lütkemeier, Klimaschutzbeauftragter der VG Hachenburg, deutlich. Jonas Krause-Heiber von der Nabu-Regionalstelle Rhein-Westerwald in Holler wies daraufhin, dass man beim Neubau von Radwegen sowohl durch die Klimaschutz- als auch die Naturschutzbrille schauen muss und Naturexperten miteinbeziehen sollte. Seit zehn Jahren schon sei bei der einheitlichen Ausschilderung von Radwegen in der VG Montabaur schon viel passiert, machte Karin Maas von der Tourist-Info Montabaur deutlich. Allerdings lässt das Alltags-Radwegenetz in der Region auch aus ihrer Sicht noch stark zu wünschen übrig.

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