Rheinland-Pfalz

Bahn & Bus, Verkehrspolitik, Pressemitteilung
Mittelrhein

Stellungnahme VCD Mittelrhein zum Nahverkehrsplan Rhein-Hunsrück-Kreis

Ende Mai veröffentlichte der Kreisverband Mittelrhein seine Stellungnahme zum Nahverkehrsplan Rhein-Hunsrück-Kreis.

1. Demografische Entwicklung verlangt guten ÖPNV und rechtfertigt seine Herstellung / Aufrechterhaltung.

Dies zeigen die Prognosen der Bevölkerungsentwicklung, die sicherlich aufgrund der zusätzlichen Zuzüge infolge der Flüchtlingsbewegungen übertroffen werden.

2. Erreichbarkeit der Mittelzentren

Es muss evtl. mit Integration und dauerhafter Fortführung z. B. auch der Bürgerbusse die tägliche Mindestanbindung aller Orte an ihre Mittelzentren hergestellt sein mit mindestens drei Fahrtenpaaren.

3. Große Linien

Im Wesentlichen entsprechend den Pendlerströmen müssen die großen Linien ausgerichtet werden.

3.1 Simmern - Kastellaun - Emmelshausen - Koblenz

Diese Linie hat auf der Gesamtstrecke als 620 eine deutlich zu lange Fahrzeit von über 90 Minuten für die ca. 50 - 55 km Länge und ist daher keine Alternative zum MIV. Dies zeigen auch die Nutzerzahlen, die erst ab Kastellaun und. v. a. ab Emmelshausen deutlich ansteigen im Gegensatz zur nur lokalen Nutzung ab Simmern. Es ist daher eine Beschleunigung durch eine Expressbedienung erforderlich. Vorbild bzw. Anknüpfung kann die aktuelle Linie 610 Hahn - Kastellaun - Emmelshausen - Koblenz sein, die ab Kastellaun gegenüber der 620 statt zwischen 60 und 70 Minuten "nur" 45 Minuten unterwegs ist und immer eine Besetzung auf der Relation Kastellaun - Koblenz aufweist. Allerdings verkehrt die 610 flugplanabhängig und nur etwa im "4-Stundentakt". Unsere Forderung ist daher eine Expresslinie Simmern - Koblenz mit Halt in Kastellaun und Emmelshausen und ab da über die A 61 mindestens im 2-Stundentakt bzw. morgens und abends im verdichtetem Stundentakt. Weitere Halte zur Aufnahme von lokalen Andienungen sind vorzusehen in Laubach und Niedert. Diese Andienungen sind zu gewährleisten entlang der Expressbuslinie.

3.2 Hahn - Simmern - Rheinböllen - Bad Kreuznach

Diese Verbindung ist aktuell viel zu langwierig und für Pendler ungeeignet. Sie kann als Freizeitstrecke aufgewertet werden, wenn sie z. B. mit Heckträgern für ganzjährige Mitnahme von Fahrrädern ausgestattet wird. Siehe Aktivitäten des Rhein-Murr-Kreises.

3.3 Simmern - Rheinböllen - Bingen

Diese Strecke ist aktuell nur mit einzelnen Fahrten bedient und stellt die Verbindung aus dem südlichen Kreisgebiet zum RLP-Takt in Bingen HBF her. Z. B. eine Frühfahrt ab Simmern um 6.10 mit Ankunft 40 Minuten später in Bingen. Sie sollte ausgebaut und ab Rheinböllen ohne Halt geführt werden (aktuell über Weiler etc. mit vielen Halten für den Schülerverkehr).

3.4. Simmern - Mainz

Die vielfältigen Versuche der Etablierung dieser Strecke müssen systematisch ausgewertet und auf ihre Schwachstellen hin untersucht werden. Es ist wie nach Koblenz ein Takt herzustellen mit Andienung der wichtigsten Ziele in Mainz.

3.5 Simmern und Kastellaun - Oberwesel

Seit der Aufwertung von Oberwesel als regulärem RE-Halt haben die Nutzerzahlen erheblich zugenommen (siehe regelmäßige Parkplatz-"Überbelegung"). Mainz ist seither in 40 und Frankfurt in 60 Minuten erreichbar. Es fehlt aber bislang die ÖPNV-Erreichbarkeit aus Kastellaun und aus den östlichen Ortschaften von Simmern bzw. Rheinböllen (die allerdings auch direkt nach Bingen und Mainz ihre Anbindung erhalten sollen, siehe 3.3 und 3.4). Neben dem parkenden Pendlerverkehr ist Oberwesel wichtigste MIV-Bring- und Abholstation für den mittleren Rhein-Hunsrückkreis geworden. Dem sollte nunmehr auch im NV-Plan Rechnung getragen werden.

3.6 Hunsrück - Mosel

Zumindest ab Kirchberg ist Bullay mit einer Expressbuslinie anzubinden.

3.7 RegioRadler Bingen - Simmern - Kastellaun Emmelshausen und Nationalparkbus

Der RegioRadler ist seit gut 10 Jahren die bestehende und in den allgemeinen Fahrtenverlauf gut integrierte Linie mit (dank Stemmler) umgebautem Bus von Mai bis Oktober an Wochenenden und Feiertagen. Es sollte überlegt werden, daran einen "Nationalparkbus" anzuschließen zum Hunsrückhaus bzw. als Rundfahrt ähnlich oder kombiniert mit dem Projekt "Soonwaldbus". Hierzu vermissen wir Überlegungen im neuen NV-Plan.

3.8 Haltestellenausstattung für wertvolle Zubringer-Fahrräder und Heckträger

Die fortschreitende "Nivellierung" der Mittelgebirgshöhen durch elektrische Radunterstützung sollte für den ÖPNV dadurch nutzbar gemacht werden, dass an zentralen Zustiegshaltestellen der großen Linien sichere und überdachte Abstellanlagen angeboten werden wie insbesondere Fahradboxen. Denn dank Pedelec und E-Bike sind mittlerweile auch Strecken auf dem Rad zurücklegbar, die bislang ausgeschlossen anzusehen waren. Hier gilt es, für den ÖPNV ein neues Potential zu nutzen. Es sind auch Versuche zu starten, einige Linienfahrten mit Bussen mit Heckträgern durchzuführen. Siehe dazu neuere Entwicklungen dieser Träger im Rhein-Murr-Kreis (siehe PDF-Anhang).

3.9 Fazit

Der vorgelegte Plan enthält wenige wirklich neue Gedanken und lässt Kreativität und Reaktion auf neue Entwicklungen vermissen. Er muss daher nachgebessert werden. Hierzu dienen unsere obigen Ausführungen.

i.A. Rolf Bartholomae (Vorsitzender des KV Mittelrhein)

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