Rheinland-Pfalz

Radverkehr, Pressemitteilung
Ludwigshafen-Vorderpfalz

Bürger sollen radeln – und die Stadt bremst

Nur verhaltene Freude kommt bei den Teilnehmern des Mobilitätsstammtischs des VCD Ludwigshafen über die erstmalige Teilnahme der Stadt bei der Aktion STADTRADELN auf. So erfreulich der Aufruf an die Bürger zur Teilnahme an der Klimaschutzaktion ist, so groß ist der Frust der Radfahraktiven über die Tatenlosigkeit der Stadt und der Großen Koalition, was die Förderung des Radverkehrs angeht.

Erstmalig beteiligt sich Ludwigshafen an der Aktion STADTRADELN. Vom 09. bis 29. September 2019 sind Radfahrer aufgerufen, ein Zeichen für vermehrte Radnutzung zu setzten, indem sie so viele Radkilometer wie möglich sammeln. Koordiniert wird die Kampagne vom Klima-Bündnis, dem größten kommunalen Netzwerk zum Schutz des Weltklimas.

Auf der Internetseite der Stadt kann man nachlesen, dass Oberbürgermeisterin Jutta Steinruck und Dezernent Klaus Dillinger auf eine rege Teilnahme beim Stadtradeln hoffen und darauf, dass die radelnden Bürger damit ein Zeichen für mehr Klimaschutz und mehr Radverkehrsförderung setzen. Der VCD begrüßt die Teilnahme an dieser Aktion und hofft ebenfalls auf eine rege Teilnahme.

Nun ist es aber auch so, dass nicht wenige Bürger schon lange und intensiv fürs Radfahren werben und nicht müde werden das weiter zu tun.

Schon seit 2017 treten Fahrradbegeisterte für eine Critical Mass in die Pedale und brachten diese in Ludwigshafen auf die Straße. Bei der Critical Mass treffen sich Radfahrer unorganisiert, um gemeinsam mit Fahrten durch die Stadt auf den Radverkehr als Form des Individualverkehrs aufmerksam zu machen. Die Critical Mass rollt monatlich durch die Stadt.

Andere Bürger belohnen seit zweieinhalb Jahren Fußgänger und Radfahrer mit Kaffee und Gebäck beim Brückenkaffee auf der Konrad-Adenauer-Brücke. Löblich, dass im Frühjahr die OB vorbeischaute und sich ansah, wie Werbung fürs Radfahren in der Praxis funktioniert. Löblich auch ihre spontane Geldspende an die Veranstalter zum Kaufen von Kaffee.

Seit vielen Jahren fahren Bürger Ludwigshafens auch bei der Radparade Mannheim mit, der größten Fahrraddemo der Region, die seit 2014 als Radparade Mannheim-Ludwigshafen auch linksrheinisch fährt. 2019 hat sogar der Marketingverein Ludwigshafen mit Ihrer Vorsitzenden Jutta Steinruck die Werbung für die Parade unterstützt. Die Aktiven des VCD Ludwigshafen sind allerdings enttäuscht darüber, dass weder vom Stadtvorstand jemand mitradelte noch von den Vorständen der großen Stadtratsfraktionen. Umso mehr freute man sich über die Teilnahme von OB Peter Kurz und Umweltdezernentin Felicitas Kubala aus Mannheim. Mit der Förderung von Radfahren in der Schwesterstadt ist dort der Anteil der zurückgelegten Wege auf nun 21 Prozent gestiegen, wovon Ludwigshafen noch weit entfernt ist.

Und dann sind da Tausende von Bürgern, die schlicht täglich das Rad zur Bewältigung ihrer Wege benutzen und damit auch Werbung für das umweltfreundliche Verkehrsmittel machen. 

Was hat dagegen die Stadtverwaltung in den vergangenen Monaten getan, um das Radfahren zu fördern? Mit Zuschüssen vom Land wurde die Abfahrt von der Konrad-Adenauer-Brücke verlängert und eine Fahrspur in der Heinigstraße als Radweg umgewidmet. Wegen der Sperrung der Hochstraße Süd steht die Brückenabfahrt, die für viel Geld hergestellt wurde, nun sogar zur Disposition. Daneben ist die Stadt über eine Ankündigung der Öffnung von Einbahnstraßen in Gegenrichtung für Radfahrer nicht hinausgekommen. Und das, nachdem im Februar den Radlern beim Bürgerforum Radverkehr Aufbruch angekündigt und Hoffnung auf Fahrradförderung gemacht worden war. Wo bleibt die von der OB in ihrem Wahlkampf im Jahr 2017 angekündigte Stelle des Fahrradbeauftragten? Wann werden weitere Einbahnstraßen für Radler geöffnet, um diesen Umwege zu ersparen? Wann werden die Ergebnisse des Bürgerforums Radverkehr veröffentlicht?

Der VCD Ludwigshafen-Vorderpfalz fordert die Parteien im Stadtrat und die Stadtverwaltung auf, den Ankündigungen endlich Taten folgen zu lassen. Man ist unglaubwürdig, wenn man die Bürger aufruft, Werbung für mehr Radfahren zu machen, sich selbst aber zurücklehnt und darauf hofft, dass das Chaos beim Abriss der Hochstraße Nord ausbleibt. Der Aufruf zum STADTRADELN zeigt zwar den guten Willen, ist aber kein Ersatz dafür, dass auch gehandelt werden muss.

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