Rheinland-Pfalz

Klimaschutz, Verkehrspolitik, Radverkehr
Ludwigshafen-Vorderpfalz

9 Ziele – weil Ludwigshafen sich auch drehen soll

Über Jahrzehnte hinweg ist Ludwigshafen dem städtebaulichen Leitbild der autogerechten Stadt gefolgt, sodass mittlerweile jeder Stadtteil seinen eigenen Autobahnanschluss hat. Doch es geht auch anders: Damit unsere Luft sauberer wird, damit nicht überall parkende Autos herumstehen, damit der Lärm in unseren Straßen reduziert wird und das Leben in der Stadt wieder angenehmer wird, müssen die Alternativen zum Auto attraktiver gemacht werden. Nach dem Vorbild anderer Städte haben wir eine Diskussionsgrundlage mit neun Zielen formuliert, die unsere Stadt wieder fahrradfreundlich machen können:

Ziel 1: Sichere Fahrradstraßen auch für Kinder

Fahrradstraßen werden in Nebenstraßen ausgewiesen und bilden das Rückgrat des künftigen Ludwigshafener Fahrradnetzes. Bis 2025 sollen als Leuchtturmprojekt in jedem Stadtteil je eine Straße in Nord-Süd und Ost-West Richtung als Fahrradstraßen ausgewiesen werden, um neue Verbindungen zu schaffen. Die Fahrradstraßen und das Netz sind so umzusetzen, dass insbesondere Einrichtungen für Kinder und Jugendliche, wie Schulen und Sportplätze, sicher und komfortabel erreichbar sind. Die Fahrradstraßen sollen mindestens fünf Meter breit sein, möglichst Vorfahrt haben und der Autoverkehr ist durch entsprechende Maßnahmen zu reduzieren.

Ziel 2: Zwei Meter breite Radverkehrsanlagen an jeder Hauptstraße

An den Hauptverkehrsstraßen sind bei jeder Umbaumaßnahme gut befahrbare Radwege, Radfahrstreifen oder Schutzstreifen einzurichten. Fußgänger sollen dabei nicht eingeschränkt werden. Die Breite der Radverkehrsanlage muss ausreichen, dass Radfahrer einander sicher überholen können. Radwege sind zu asphaltieren oder mit anderen, rutschfesten und leichtgängigen Materialien auszuführen.  Der Puffer zu parkenden Kfz beträgt einen Meter, damit keine Gefahren durch unachtsam geöffnete Autotüren entstehen. Der Radverkehr soll nicht mehr in Busspuren geführt werden, sondern grundsätzlich eigenen Raum erhalten. Wo dies aufgrund beengter Verhältnisse nicht zu realisieren ist, muss eine dortige Abweichung begründet werden.

Ziel 3: Gefahrenschwerpunkte sicher machen

Kreuzungen sind innerorts Unfallquelle die Nummer eins für Radfahrer. Ludwigshafen soll deshalb alle gefährlichen Kreuzungen sicher umbauen und regelmäßig über einen Radverkehrsdialog ermitteln, wo Radfahrer sich unsicher fühlen. Bei jedem Umbau werden klare Sichtbeziehungen geschaffen, um Abbiegeunfälle zu verhindern und die Kreuzungen sind mit Aufstellstreifen auszustatten. Nach jedem schweren Unfall mit Radfahrerbeteiligung muss geprüft werden, ob die Verkehrsführung an diesem Punkt zu den Unfallursachen zählt. Falls ja, ist die Stelle innerhalb von sechs Monaten entsprechend umzugestalten.

Ziel 4: Transparente, schnelle und effektive Mängelbeseitigung

Radfahrer werden oft durch vermeintliche Kleinigkeiten am sicheren und komfortablen Vorankommen gehindert. Dazu zählen neben Wurzelschäden oder unzureichend abgesenkten Bordsteinen auch Ampelschaltungen, die ein zügiges Vorankommen behindern. Derartige Mängel sind schnell und nachhaltig zu beseitigen. Dazu wird eine Liste mit bestehenden Mängeln erstellt und kontinuierlich aktualisiert. Schäden werden innerhalb von sechs Monaten behoben. Für Altfälle gibt es eine Übergangsfrist bis Ende 2022. Die Kommunikation über Online-Kanäle macht die Arbeit der sonst „unsichtbaren“ Helfer und den Stand der Arbeiten für die Öffentlichkeit transparent.

Ziel 5: Ausreichend Fahrradparkplätze an ÖPNV-Haltestellen und Straßen

Überall in der Stadt mangelt es an Abstellmöglichkeiten für Fahrräder. Bis 2025 sollen an allen Bahnstationen sowie an zentralen Bus- und Straßenbahnhaltestellen neue, sichere Abstellmöglichkeiten mit angeschlossenen Fahrradstationen entstehen. Weitere Abstellmöglichkeiten werden in den Wohngebieten so aufgestellt, dass sie die Gehwege nicht blockieren. Sie werden regelmäßig von offensichtlichen Fahrradleichen befreit. Bei privaten und öffentlichen Neubauten ist eine größere Zahl an Fahrradstellplätzen einzuplanen.

Ziel 6: Radschnellwege für den Pendelverkehr

Vier Meter breite Radschnellwege ermöglichen ein schnelles Vorankommen über weite Strecken. Entlang der Hauptpendelströme werden die neuen Hochgeschwindigkeitstrassen als Teil des Fahrradroutennetzes kreuzungsfrei durch und um die Stadt führen. Neben der bereits anvisierten Strecke von Heidelberg nach Speyer sollen auch Verbindungen nach Worms, Neustadt und Bad Dürkheim geschaffen werden. Bis 2025 sollen in Ludwigshafen die Teilbereiche dieses Netzes eingerichtet werden. Die einzelnen Routen werden farblich gekennzeichnet und umfassen eine Länge von acht bis zwölf Kilometern.

Ziel 7: Fahrradstaffeln und eine Sondereinheit Fahrraddiebstahl

Die beste Infrastruktur ist wertlos, wenn sie nicht benutzbar ist. Zugeparkte Fahrradstreifen gehören in Ludwigshafen bislang zum Alltag. Mitarbeiter von Ordnungsamt und Polizei können als Fahrradstaffel künftig diese und andere Sicherheitsverstöße gegen Verkehrsteilnehmer, die zu Fuß und mit dem Fahrrad unterwegs sind, ahnden. Sie betreiben Aufklärung und fördern ein rücksichtsvolles Miteinander auf den Straßen. Die Aufklärungsquote bei Fahrraddiebstählen wird durch die Zentralisierung der Ermittlungsarbeit erhöht. Hierfür sind die aktuell unterschiedlichen Registrierungssysteme zu koordinieren.

Ziel 8: Mehr Planerstellen und zentrale Fahrradabteilungen

Für die Umsetzung der Ziele des Fahrradgesetzes muss genügend Personal in der Ludwigshafener Verwaltung zur Verfügung stehen. Dies ist momentan nicht der Fall. Es bedarf klarer Zuständigkeiten und einer neuen Priorität: In der zentralen Fachabteilung für den Radverkehr laufen die Fäden für alle entsprechenden Belange zusammen. In den Stadtteilen und bei übergeordneten Strukturen der Metropolregion werden Koordinierungs- und Planungsstellen eingerichtet, die der Fachabteilung zuarbeiten. Schulung der Mitarbeiter und Einbindung der Interessenvertretungen fallen ebenfalls in den Aufgabenbereich der Fachabteilung.

 Ziel 9: Ludwigshafen für mehr Radverkehr sensibilisieren

Fahrradfahren macht Spaß, ist für jeden erschwinglich, gesundheitsfördernd und trägt dazu bei, die urbanen Qualitäten der Stadt zu steigern. Der Anteil der Fahrradfahrer am Gesamtverkehr nimmt stetig zu. Andere möchten noch überzeugt werden oder wünschen sich Informationen zum partnerschaftlichen Verhalten im Verkehr, zum Umgang mit steigendem Radverkehr. Die breite Öffentlichkeit sowie LKW- und Taxi-Fahrer sollen mit gezielten Kampagnen und Ausbildungsangeboten informiert und sensibilisiert werden. Aggressives Verkehrsverhaltens soll verringert, Fahrradmobilität gefördert und als Teil eines positiven Lebensgefühls beworben werden.

Von der Umsetzung dieser 9 Ziele werden letztlich selbst die AutofahrerInnen profitieren: Denn jede Person, die vom Auto aufs Fahrrad umsteigt, ist ein Auto weniger, das mit einem im Stau steht…

Und hier die Ziele in der Kurz- und Langversion als PDF zum Downoad:

9-Ziele Kurzversion

9-Ziele Langversion

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