Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz, Auto & Straße, Fußverkehr, Radverkehr, Verkehrssicherheit, Pressemitteilung
Landesverband Rheinland-Pfalz

VCD-Städtecheck zur Verkehrssicherheit von Kindern und Jugendlichen

Teils beunruhigende Zahlen für rheinland-pfälzische Großstädte

 

Kürzlich veröffentlichte der VCD (Verkehrsclub Deutschland e.V.) den „Städtecheck Verkehrssicherheit – Kinder und Jugendliche“. Das Augenmerk lag beim diesjährigen Städtecheck auf der Verkehrssicherheit für Kinder und Jugendliche in Großstädten über 100.000 Einwohner. Den VCD-Städtecheck zeichnet dabei aus, dass er nicht nur die Zahlen der im Straßenverkehr getöteten Kinder- und Jugendlichen betrachtet, sondern gemäß dem Leitbild der körperlichen Unversehrtheit auch die Leicht- und Schwerverletzten einbezieht. Für die vier rheinland-pfälzischen Großstädte Mainz, Ludwigshafen, Koblenz und Trier zeigen sich insgesamt eher negative Entwicklungen, die für den VCD Landesverband Rheinland-Pfalz auf weiteren dringenden Handlungsbedarf schließen lassen.

Aufgeschlüsselt nach Städten ergibt sich aus dem VCD-Städtecheck für Rheinland-Pfalz folgendes Bild. In Mainz lässt sich im Jahresmittel der Jahre 2008-2011 erfreulicherweise ein leichter Rückgang um fast drei Prozent bei der Zahl verunglückter Kinder festhalten. Auch liegt hier die Verunglücktenrate von Kindern insgesamt relativ niedrig, nämlich bei 2,88 je 1000 Kinder. In den vergangenen vier Jahren verunglückten insgesamt 281 Kinder zwischen null und 14 Jahren im Straßenverkehr in Mainz. Bei der Verunglücktenrate der Jugendlichen ist im Betrachtungszeitraum jedoch eine leichte Zunahme um 1,8 Prozent festzustellen. Gleichwohl liegen die Zahlen insgesamt auf einem relativ niedrigen Wert: 137 verunglückte Jugendliche zwischen 15 und 17 Jahren ergeben für Mainz eine Rate von 7,07.

Schlechter sieht das Bild in Ludwigshafen am Rhein aus. In der zweitgrößten rheinland-pfälzischen Stadt ist die Zahl verunglückter Kinder und Jugendlicher angestiegen. In den vergangenen vier Jahren verunglückten in Ludwigshafen 321 Kinder im Straßenverkehr, die Verunglücktenrate liegt mit 3,52 pro 1000 Kinder vergleichsweise hoch und nahm im Beobachtungszeitraum um 1,2 Prozent zu. Bei den Jugendlichen hat Ludwigshafen mit einer Rate von 6,99 bei insgesamt 140 Verunglückten zwischen 2008 und 2011 relativ gute Zahlen vorzuweisen. In den letzten vier Jahren zeigt die Tendenz jedoch in eine besorgniserregende Richtung: hier ist für die Stadt ein Zuwachs von 7,9 Prozent bei der Verunglücktenrate der Jugendlichen festzustellen.

Ein ähnliches Bild bietet sich für Koblenz. Auch dort wurde sowohl für Kinder als auch für Jugendliche eine Zunahme bei der Verunglücktenrate verzeichnet. Insgesamt verunglückten in den letzten vier Jahren 157 Kinder zwischen null und 14 Jahren im Koblenzer Straßenverkehr, die Verunglücktenrate wuchs in dieser Zeit um erschreckende sieben Prozent an und liegt bei 2,95 pro 1000. Bei den Jugendlichen fällt der Zuwachs zwar mit 5,1 Prozent etwas geringer aus, die Verunglücktenrate liegt jedoch mit 11,07 je 1000 Jugendliche noch weit über dem Mittelwert von Städten vergleichbarer Größe. Zwischen 2008 und 2011 verunglückten in Koblenz insgesamt 134 Jugendliche.

Bezogen auf die Entwicklung der Verunglücktenrate von Kindern und Jugendlichen im Mittel der vergangenen vier Jahre schneidet Trier in Rheinland-Pfalz am besten ab. Die Verunglücktenrate je 1000 Kinder ging in diesem Zeitraum um 0,8 Prozent leicht zurück, die Rate bei den Jugendlichen gar erfreulicherweise um 5,8 Prozent. Die Entwicklung der vergangenen vier Jahre wird jedoch geschmälert dadurch, dass in beiden Kategorien Trier die mit Abstand höchsten Verunglücktenraten aller rheinland-pfälzischen Großstädte aufweist. So verunglückten im Schnitt 4,03 von 1000 Kindern im betreffenden Zeitraum. Bei den Jugendlichen liegt die Verunglücktenrate bei über 14 pro 1000. Ingesamt verunglückten zwischen 2008 und 2011 199 Kinder und 155 Jugendliche im Trierer Straßenverkehr.

Für den ökologischen Verkehrsclub VCD leitet sich aus den Ergebnissen des Städtechecks weiterer dringender Handlungsbedarf ab. „Erschreckend ist, dass vor allem bei der Verunglücktenrate der Jugendlichen drei der vier rheinland-pfälzischen Großstädte über die vergangenen Jahre eine Zunahme aufweisen, während gerade in dieser Kategorie deutschlandweit eine insgesamt positive Entwicklung zu verzeichnen ist“, so Dr. Helga Schmadel, Vorsitzende des VCD-Landesverbandes Rheinland-Pfalz. Wichtig für Schmadel ist außerdem zu betonen, dass die Ergebnisse des Städtechecks 2012 „nicht die potentielle Gefährdung in den jeweiligen Städten oder deren subjektive Wahrnehmung abbilden“. Somit kann sich auch eine Stadt wie Mainz, die im rheinland-pfälzischen Vergleich gute Werte aufweist, nicht auf den Ergebnissen ausruhen, sondern muss zum Wohle von Kindern und Jugendlichen die Straßenverkehrssicherheit weiter verbessern.

Die Erkentnisse des „VCD Städtecheck 2012“ sollten jetzt die Diskussion über die Verkehrssicherheit in den Städten neu beleben, so die Vorsitzende des VCD-Landesverbandes. „Ein wesentlicher Bestandteil unserer Arbeit für mehr Verkehrssicherheit ist die Tempo-30-Kampagne, mit der wir momentan für die Regelgeschwindigkeit von 30 Stundenkilometern innerhalb geschlossener Ortschaften werben“, so Schmadel. Mit der Annäherung der Geschwindigkeiten der verschiedenen Verkehrsteilnehmer und dem deutlich verkürzten Bremsweg für Pkw bei dieser Geschwindikeit trägt eine solche Geschwindigkeitsbegrenzung einen großen Teil zu mehr Sicherheit auf den Straßen bei. Gute Angebote im Nahverkehr, sichere Rad- und Fußwegverbindungen in den Städten und ein aufeinander aufbauendes Konzept für Mobilitätserziehung vom Kindergarten bis zum Schulabschluss sind weitere Mittel, mit denen Kommunen für mehr Sicherheit von Kindern und Jugendlichen auf ihren Straßen sorgen können.

Der „VCD Städtecheck“ will aber nicht nur Defizite aufdecken, sondern Kommunen ein Angebot zur Unterstützung unterbreiten. Dr. Helga Schmadel: „Wir stellen online und offline schon viele Bildungsmaterialien und Tipps für sichere Wege in Schule und Freizeit zur Verfügung, insbesondere für Eltern und Lehrer“. Die vor Ort aktiven Mitglieder der Kreisverbände gehen auch gerne in den Austausch mit kommunalen Vertretern, um problematische Stellen in den jeweiligen Städten zu diskutieren und Lösungsansätze zu erarbeiten.

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