Rheinland-Pfalz

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Landesverband Rheinland-Pfalz

Kritik an Städtecheck-Ergebnissen für Koblenz

VCD: Verunglücktenzahlen bei Jugendlichen bereiten Grund zur Sorge

Der Landesverband Rheinland-Pfalz des ökologischen Verkehrsclubs VCD bezieht Stellung zu den Äußerungen der Koblenzer Polizei im Artikel „VCD: Koblenzer Straßen sind gefährlich“ aus der Rhein-Zeitung vom 27. Juli 2012. Die Polizei äußerte darin Kritik an der Zahlenbasis für den „VCD Stätecheck 2012: Verkehrssicherheit Kinder und Jugendliche“. Diese wurde jedoch einer dreimaligen Prüfung unterzogen und  das Statistische Landesamt Rheinland-Pfalz bestätigte die Richtigkeit der Zahlen. Auch ist dem VCD unverständlich, wie die Koblenzer Polizei Jugendliche von 15 bis 17 Jahren nicht als Risikogruppe sehen kann – wo doch die Verunglücktenrate in dieser Gruppe generell deutlich höher ist als bei den Kindern.

„In der Tat steht Koblenz bei der Verunglücktenrate von Kindern nicht nur im rheinland-pfälzischen, sondern auch im Bundesvergleich mit Städten ähnlicher Größe gut da“, erklärt Dr. Helga Schmadel, Vorsitzende des VCD-Landesverbandes. Über die vergangenen vier Jahre zeigt sich laut dem VCD Städtecheck 2012 in Koblenz bei der Verunglücktenrate der Kinder dennoch im Mittel eine Steigerung um sieben Prozent. Die Polizieidirektion Koblenz berichtet andere Zahlen, da 43 der verunglückten Kinder in den vergangenen vier Jahren in Koblenz als Beifahrer bei Pkw-Unfällen zu Schaden kamen. „Das zeigt jedoch, dass es ist nicht unbedingt sicherer ist die Kinder im eigenen Pkw beispielsweise in die Schule oder zu Freizeitaktivitäten zu fahren“, so Schmadel. Sinnvoller ist es, durch den gemeinsamen Schulweg zuerst zu Fuß und anschließend auch mit dem Fahrrad die Kinder gezielt auf das richtige Verhalten im Straßenverkehr vorzubereiten. So erwerben die Kinder schon frühzeitig Kompetenzen, die auch in den späteren Jahren, in denen ihre selbständige Mobilität zunimmt, wichtige Voraussetzungen für ihre Sicherheit im Straßenverkehr sind.

„Dass die Koblenzer Polizei die Verunglücktenzahlen von Jugendlichen nicht gesondert auswertet und die 15 bis 17-Jährigen nicht als Risikogruppe betrachtet erscheint angesichts der ermittelten Zahlen verwunderlich“, äußert sich Schmadel. Die Verunglücktenrate der Jugendlichen liegt in Koblenz bei über 11 von 1000 und damit deutlich über dem Schnitt vergleichbar großer Städte. „Gerade in dieser Altersgruppe kommen das jugendspezifische Risikoverhalten und die zunehmende eigenständige Mobilität mit Fahrrad, Mofa und Moped zusammen und führen dazu, dass die Verunglücktenrate deutschlandweit rund dreimal so hoch ist wie bei den Kindern“, weiß Schmadel zu berichten. Diese Erkenntnis, die von zahlreichen Verkehrswissenschaftlern bestätigt wird, zeigt klar, dass es sich bei den 15- bis 17-Jährigen um eine Risikogruppe handelt, die auch von der Polizei genauer betrachtet werden sollte. Dies gilt in besonderem Maße in kleinen Großstädten wie Koblenz, denn, wie Schmadel verdeutlicht: „Der VCD Städtecheck hat ergeben, dass gerade bei Jugendlichen die Stadtgröße eine entscheidende Rolle für die Verunglücktenrate spielt.“ Während in den Millionenstädten die durchschnittliche Verunglücktenrate bei 5,9 von 1000 Jugendlichen liegt, ist sie bei den Städten von 100.000 bis 150.000 Einwohnern mit 9,1 deutlich höher.

Der VCD-Landesverband Rheinland-Pfalz begrüßt nicht zuletzt auf Grund der relativ hohen Verunglücktenrate bei Jugendlichen das Engagement des Jugendrates Koblenz im Bereich der Mobilität. Besonders der Einsatz für eine Verbesserung des Radroutensystems ist ein wichtiges Mittel um die Verkehrssicherheit für Kinder und Jugendliche in der Rhein-Mosel-Stadt zu erhöhen. Der VCD mit seinem Kreisverband Mittelrhein ist gerne bereit, diese Bemühungen des Jugendrates zu unterstützen. Der ökologische Verkehrsclub stellt außerdem online und offline viele Bildungsmaterialien und Tipps für sichere Wege in Schule und Freizeit zur Verfügung, insbesondere für Eltern und Lehrer. Der Städtecheck zur Verkehrssicherheit von Kindern und Jugendlichen soll Diskussionen über Verbesserungen der Situation in den jeweiligen Kommunen anregen. „Dabei steht für uns gemäß dem Leitbild der ‚Vision Zero‘ die körperliche Unversehrtheit aller Kinder und Jugendlichen im Straßenverkehr im Mittelpunkt“, betont Schmadel. Daher begrüßt der VCD auch die bisher geleistete Verkehrssicherheitsarbeit von Polizei und Stadt und die Früchte, die diese nachweislich getragen hat. „Wir hoffen nun, dass diese erfolgreiche Arbeit weiter intensiviert wird, denn 41 verunglückte Kinder und 38 Jugendliche im vergangenen Jahr sind noch immer 79 junge Verunglückte zuviel auf Koblenzer Straßen“, so Schmadel abschließend.

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