Rheinland-Pfalz

Verkehrsplanung, Fußverkehr, Radverkehr
Verkehrswende Bad Kreuznach

Bürgerbewegung „Verkehrswende Bad Kreuznach“ fordert bessere Fahrrad-Infrastruktur

Bericht aus der Allgemeine Zeitung vom 19.3.2018.

„Eine Verkehrswende – jetzt!“ Das forderten Pia Hilgert von der Bad Kreuznacher Sektion des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) und der Bürgerbewegung „Verkehrswende Bad Kreuznach“ und knapp 100 Radler, Rollifahrer und Fußgänger bei einer Fahrad-Demo vom Bahnhof bis zum Stadthaus.

Die Temperaturen waren eisig. Die Gemüter der Radler aber keineswegs gut gekühlt. Sie protestierten für eine bessere Fahrrad-Infrastruktur, damit die Fortbewegung auf zwei Rädern in Bad Kreuznach sicherer wird, für weniger Autoverkehr und für eine lebenswerte sowie barrierefreie Stadt. „Wir stehen für eine Bewegung, die bis ins nächste Jahrhundert reicht“, rief Hilgert den Versammelten zu. Sie forderte auch einen Radschnellweg nach Bad Münster als schnelle sichere Verbindung, die vom Bundesverkehrsministerium gefördert wird und für eine Entlastung der Straße sorgt.

Es braucht den politischen Willen zur Umsetzung

Das Fahrrad ist die Zukunft. „Zero Emission“ – keine Emissionen, keine Luftverschmutzung, kein Lärm, „und es ist gesund“, spielte Hilgert auf eine „Volkskrankheit“ namens Übergewicht an. Mehr ÖPNV gehört für Hilgert ebenfalls zu einer lebenswerten Stadt, deren Verkehrsfläche nicht für den Autoverkehr reserviert sei. Alleen in der Mitte der Stadt, die Lust aufs Flanieren machen, auch den Kindern, und auf eine barrierefreie Bewegung Rücksicht nehmen, so ihre Vorstellung. „Dazu brauchen wir aber eine politische Durchsetzung!“ Ein Fahrradbeauftragter in der Verwaltung könne dies unterstützen.

„Es ist ein Anliegen der Oberbürgermeisterin, das Thema Fahrradverkehr voranzubringen“, erklärte Bettino Hans Gagliani als einziger Vertreter der Verwaltung. Von der Demonstration war der Stadtplaner beeindruckt, zumal sie Druck für die Rechte der Fahrradfahrer aufbaue. Er bedauerte aber, dass die Politik nur mager vertreten war. Das Integrierte Verkehrskonzept (IVEK) soll nicht nur in der Schublade schlummern, versprach Gagliani. „Dafür brauchen wir Sie, die Verwaltung und die Politik, und ich denke, dass das Ziel kein Gegeneinander, sondern ein Miteinander ist.“

Seit mehr als 20 Jahren fordere man bessere Radwege, so das Credo von Pfarrer Siggi Pick. „Hat denn die Verwaltung vielleicht noch zwei oder drei Maßnahmen, die noch dieses Jahr umgesetzt werden sollen?“, so seine Frage an Gagliani. „Ja“, sagt der Planer, denn der dritte Bauabschnitt der Bosenheimer Straße sei auch der erste Abschnitt einer „Fahrradschnellachse“, die bis nach Bad Münster führen soll. Dem widersprach Pia Hilgert aber. Der Radweg führe auf dem Fußgängerweg entlang und sei 70 Zentimeter breit, der Fußgängerweg an manchen Stellen 30 Zentimeter.

„Das ist eine Rad-weg-Politik und keine Radwege-Politik“, echauffierte sich Hilgert. Und: Radwege gehören auf die Straße. Die Abwägung zwischen den einzelnen Verkehrspartnern müsse geändert werden, und das Auto dürfe nicht länger allein im Fokus stehen.

„Wir bekommen ja auch ein wunderbares Radparkhaus am Bahnhof“, so Pick mit ironischem Unterton. Aber wie an diese Adresse kommen? Über die Wilhelmstraße? Für Radler ist dort kein Verkehrsweg zu entdecken, sondern die Route gleicht einem gefährlichen Abenteuer. Es folgten noch Negativ-Beispiele en masse. „Das ist ein Armutszeugnis für die Stadt“, ärgerte sich Viel-Radfahrer und Kreistagsmitglied Ludger Nuphaus (Grüne). Radtouristen seien gezwungen, zum Teil ihr Rad in den Bahnhof zu schieben.

Hoffen auf mehr Barrierefreiheit

Die Kritik der Demonstranten soll Gagliani mit ins Stadthaus nehmen, so Pick. „Wir hören von Ihnen, wir fragen nach und wir kommen wieder und demonstrieren, damit es vorwärts geht“, drückte Pick die Ungeduld derer aus, die im städtischen Straßenverkehr endlich in Augenhöhe wahrgenommen werden wollen.

Jürgen Erdmann-Feix, Sportlehrer in der Kreuznacher Diakonie, ist Sprachrohr für Menschen mit Handicap, die ebenfalls unter den Demonstranten waren. Auch sie hätten ein Recht auf Mobilität. Diese werde beispielsweise erschwert, wenn ein Bürgersteig schräg zur Straße abfällt. Für manche Menschen sei aber ein Dreirad oder ein Rollstuhl das einzige Fortbewegungsmittel. „Das Fahrrad sind die Füße“, so eine Betroffene.

Quelle: http://www.allgemeine-zeitung.de/lokales/bad-kreuznach/stadt-bad-kreuznach/buergerbewegung-verkehrswende-bad-kreuznach-fordert-bessere-fahrrad-infrastruktur_18601013.htm , letzter Aufruf: 21.03.2018)

 

zurück