Rheinland-Pfalz

Mittelrhein, Auto & Straße, Verkehrsplanung

Stellungnahme zur Beantragung des ROV für den Bau einer festen Querung am Mittelrhein

Deutschland hat das dichteste Straßennetz der Welt. Grundsätzlich ist daher vor jedem Neubau äußerst kritisch die Notwendigkeit zu prüfen. In der überwiegenden Zahl der Fälle muss ein nachhaltig und zukunftsorientiert denkender Mensch zu dem Schluss kommen, dass ein Neubau vermeidbar ist. Ein Moratorium ist beim Straßenbau in der Fläche eigentlich unumgänglich. Dies auch eingedenk der Tatsache, dass bei vorhandenen Straßen ein Sanierungsstau ohnegleichen besteht.

Dies gilt genauso oder noch stärker für Brücken. Über Jahrzehnte gab es zwischen Mainz und Koblenz keine Rheinbrücke, eine Straßenbrücke gab es noch nie. Der Verkehr funktioniert(e) mit Fähren, zumal teilweise im 24-Stunden-Betrieb, relativ problemlos. Warum ausgerechnet an einer der engsten Stellen des Mittelrheintals, zwischen St. Goar und St. Goarshausen eine Rheinquerung gebaut werden soll, erschließt sich nicht, zumal die Brücke die Strecke zwischen Mainz und Koblenz keineswegs mittig teilt. Eine weitere Querung bei Bingen steht daher zu befürchten.

Eine Querspange zwischen der A 3 im Osten und der A 61 im Westen, die im Hinterkopf vieler Politiker*innen und Verkehrsplaner*innen sicherlich herumspukt, würde voraussichtlich den Ausbau der L 213 nach sich ziehen, die sehr kurvenreich in den Hunsrück führt. Nur im Osten ist eine Bundesstraße (B 274) in Richtung Limburg vorhanden, die allerdings auch nicht für größere Verkehre geeignet erscheint. Die übliche Salami-Taktik bei Verkehrsprojekten bzw. deren mehr oder weniger erwünschte Folgen sind auch in diesem Fall bereits im Vorfeld erkennbar.

Eine Verkehrswende sieht jedenfalls anders aus. Ganz abgesehen von der Gefahr, dass dem Mittelrheintal als einzigartiger Kultur- und Naturlandschaft der Status des Weltkulturerbes abhandenkommen könnte. Dieses Risiko gehen die politisch motivierten Brückenbefürworter*innen bewusst ein. Die damit riskierten Gefahren für den Tourismus, der im Mittelrheintal ohnehin in vielen Fällen darniederliegt, wollen sie bewusst nicht erkennen.

Sieht man von Corona-bedingten Reduzierungen ab, ist der Verkehrsbereich der Einzige, der keinen Beitrag zur CO2-Reduzierung in Deutschland geleistet hat und sogar noch Steigerungen aufweist. Es ist nicht nachzuvollziehen, warum der Individualverkehr als „Heilige Kuh“ von den meisten Parteien geschont wird und der Straßenbau munter weiter Natur und Landschaft versiegeln darf. Der Bundesverkehrswegeplan spricht Bände.

Die Mittelrheinbrücke wird in ihrer Summe für die Bürger*innen mehr Nachteile als Vorteile haben. Der Fährbetrieb wird zum großen Teil eingestellt werden und Autofahrer*innen, aber auch der Nahverkehr mit Bussen große Umwege fahren müssen. Es ist beispielsweise nicht attraktiv, von Boppard statt mit der Fähre nach Filsen überzusetzen, bis St. Goar zur Mittelrheinbrücke zu fahren und auf der Gegenseite zurück. Dabei fällt ein Umweg von rund 30 km an.

Grundsätzlich weist der Bau der Mittelrheinbrücke in die falsche Zukunft. Die notwendige Umstellung unseres kompletten Lebensstils, die als Ziel auch mehr und mehr in die Politik Einzug hält, erfordert, dass solche Projekte der Vergangenheit angehören. Es wird zu einer deutlichen Reduzierung des Individualverkehrs kommen müssen, was neue Brücken- und Straßenprojekte in Zukunft unnötig machen wird. Daher ist die Mittelrheinbrücke als Projekt der Vergangenheit nicht nur aus Umweltgründen abzulehnen.

[Auszug aus der Stellungnahme des BUND mit Unterstützung des VCD und der Bürgerinitiative RheinPassagen zum geplanten Bau der Mittelrheinbrücke. Die vollständige Stellungnahme können Sie in dem untenstehenden PDF lesen.]

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