Rheinland-Pfalz

Landesverband Rheinland-Pfalz, Pressemitteilung

Pressemitteilung zur unbefriedigenden Schülerbeförderung

Vertreter des Landeselternbeirats (LEB), der Mainzer Mobilität (MM) im Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und der Fahrgäste, hier ÖPNV- Förderverein Rheinhessen und Verkehrsclub Deutschland (VCD) trafen sich Ende Oktober in Mainz, um diese Problematik zu erörtern.

„Insbesondere in der Stadt sind Bahnen und Busse morgens übervoll - trotz der zusätzlich bereitgestellten (in Mainz 7 Busse) Fahrzeuge. Alles knubbelt sich in der Schulanfangzeit, die immer noch nicht entzerrt ist. Damit die Busse in einer weiteren Runde weitere Schüler fahren können, müsste der Unterrichtsbeginn zeitlich versetzt werden“, sagt Dr. Helga Schmadel vom VCD. 

„Busse sind knapp und Fahrer sind noch schwerer zu finden“, hat Johannes Köck von MM  schon beim Mainzer Treffen mit Verwaltung und Lehrern vor 2 Wochen festgestellt. 

 

Soweit die Probleme im Ballungsraum und dem Speckgürtel. Auf dem Land ist das Problem anders gelagert. 

„Viele Kinder und Jugendliche müssen oft eine weiter entfernte Schule besuchen, weil die näher gelegene nicht mit dem Bus oder nur mit riesigen Umwegen zu erreichen ist. Kleine Verschiebungen der Anfangszeiten, damit es mit den Buszeiten zusammenpasst, sind in ländlichen Gebieten einfacher. Die Zuverlässigkeit der Busse gibt aber häufig Anlass für Beschwerden, die meistens bei den Elternbeiräten ankommen“, so Petra Müller aus dem Hunsrück. Sie ist auch Lehrkraft, hat früher in Mainz gewohnt und kennt somit mehrere Seiten. „Mit den reinen Schulbussen hat es besser funktioniert, da wurden die Schulen direkt angefahren. Jetzt fallen Busse plötzlich aus und die Eltern müssen kurzfristig einspringen und die Kinder zur Schule bringen bzw. abholen. Einige Kinder können das Nachmittagsangebot der Schulen nicht wahrnehmen, da nach Schulschluss keine Busse mehr die einzelnen Ortschaften anfahren.“ 

 

Elterntaxi wollen weder die Eltern, noch die Verkehrsunternehmen noch die Verbände, deshalb muss ein verlässlicher Schülertransport im ÖPNV mit genügend Platz gewährleistet sein. 

„Trotz der Unterschiede sollte eines allen gemeinsam sein“, so Walter Nepelius, VCD- Mitglied und Vorsitzender des ÖPNV- Fördervereins Rheinhessen: 

„Für eine wirklich nachhaltige Verbesserung der Situation im ÖPNV kann nur eine deutliche Staffelung des morgendlichen Schulbeginns sorgen; dazu gehört auch die differenzierte Betrachtung der Altersstufen, denn der Biorhythmus von Jugendlichen erfordert allein schon wegen der erst gegen 10 Uhr einsetzenden Aufnahmefähigkeit diesen Zeitversatz.“ 

„Man sollte also für Teens deutlich später anfangen, ab ca. 9:30 Uhr. Das gibt auch die Chance zu entzerrten Mittagessenszeiten und gespreizter Nutzung von Turnhallen und speziellen Fachsälen, wäre also auch eine Chance für bessere Ausnutzung der tlw. knappen Kapazitäten in Schulen.“ 

 

Der VDV fordert bereits seit viele Jahren eine Entzerrung der Schulanfangszeiten, um die Verkehrsspitze zu reduzieren und dabei die sich gleichzeitig in Bewegung setzenden Menschenmengen zu verringern. Veränderte und gestaffelte Schulbeginnzeiten tragen direkt und unmittelbar bei zur Verringerung des gesamten Verkehrsaufkommens in einer Stadt/Kreis– sowohl für Verkehrsteilnehmer auf der Straße (MIV, Fahrrad, Fuß), in den Bussen, aber auch in den Pausen auf den Schulhöfen.

 

Frau Marie-Therese Wölki von VDV weist auf das neue Nahverkehrsgesetz hin (es steht demnächst im Landtag zur Abstimmung): „Das NVG hat ja auch eine wesentliche Stärkung des ÖPNV im Land zum Ziel und wird entlasten.“ 

 

Dem wird zwar im Prinzip zugestimmt, aber weder Finanzierung noch sachgerechte Beteiligung der ÖPNV- Nutzer sind gesichert. 

Reiner Schladweiler, LEB- Vorsitzender dazu: „Wir können nicht Jahre warten, bis das greift, deshalb haben wir ja auch die Petition gestartet"; und "Elternbeteiligung auf lokaler und Schulebene sind im NVG überhaupt nicht vorgesehen, das fordern wir seit Jahren vergebens“, unisono Müller und Schladweiler. 

Link zur Petition: https://www.openpetition.de/petition/statistik/bildungsgerechtigkeit-und-gesundheitsschutz-in-der-pandemie#petition-main

 

Fazit des Gesprächs: 

Verbände, Verkehrsunternehmen und Landeselternbeiräte sind sich einig, dass eine Entzerrung der Schulanfangszeiten eine sinnvolle und Ressourcen schonende Lösung zur Reduzierung der Schülerverkehrsspitzen ist.

Man hat sich angenähert und die jeweiligen Probleme besser kennen gelernt. Weitere Gespräche sind sinnvoll, aber Lösungen können nicht mehr lange herausgeschoben werden. Lehrer- und Schülervertretungen sollten dann einbezogen werden. 

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