Rheinland-Pfalz

Radverkehr, Verkehrspolitik

„Eine Neuaufteilung des Verkehrsraums ist erforderlich“

Beim 6. VCD-Wortwechsel diskutierten die VCD-Mitglieder Rupert Röder, Fahrradexperte des VCD, Jupp Trauth, Radwegeplaner, sowie Jutta Blatzheim-Roegler, verkehrspolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, darüber, wie die Bedingungen für den Alltags-Radverkehr in Rheinland-Pfalz verbessert werden können.

Zu Beginn der Podiumsdiskussion begrüßte der Koblenzer Oberbürgermeister Herr David Langner die zahlreichen Gäste und berichtete über die Anstrengungen zur Verbesserung des Radverkehrs in Koblenz, z.B. die Einrichtung einer Fahrradstraße in der Südallee. Er wies insbesondere darauf hin, dass das Thema Radverkehrsförderung eine große Rolle gespielt hat, als er vor einem Jahr im Wahlkampf erfolgreich war, und er sich auch von daher in der Pflicht sieht, eine entsprechende Politik umzusetzen.

Beim 6. VCD-Wortwechsel diskutierten dann die VCD-Mitglieder Rupert Röder, Fahrradexperte des VCD, Jupp Trauth, Radwegeplaner, sowie Jutta Blatzheim-Roegler, verkehrspolitische Sprecherin der Grünen im Landtag, darüber, wie die Bedingungen für den Alltags-Radverkehr in Rheinland-Pfalz verbessert werden können.

Einig waren sich die Radverkehrsexperten darin, dass Politik und Planung endlich konsequent umdenken müssen. „Straßenzubau wird seit Jahrzehnten praktiziert, löst kein Verkehrsproblem und ist aufgrund der ständigen Vermehrung des Autoverkehrs massiv klimaschädlich“, so Rupert Röder.

Das Problem: Das Fahrrad wird von Politik und Planung immer noch als Freizeit- und Sportvehikel betrachtet. „Damit Radfahrende endlich als gleichberechtigte Verkehrsteilnehmer wahrgenommen werden, muss die Infrastruktur entsprechend verändert werden“, erläuterte Jupp Trauth. Ziel müsse es sein, dass die Radinfrastruktur als gleichberechtigt neben KFZ und ÖPNV wahrgenommen und jetzt primär ausgebaut werde. Bisher gelte beim Landesbetrieb Mobilität (LBM) stattdessen meist die Devise ‚Da fährt sowieso niemand Rad‘, also würden keine Wege gebaut. Doch erst durch das Schaffen entsprechender Angebote werde das Rad im Alltag als Verkehrsmittel etabliert. Jutta Blatzheim-Roegler plädierte daher dafür, dass „bei jeder Landesstraße der begleitende Radweg von vornherein mitgeplant wird bzw. alle Potentiale genutzt werden müssen, um nachträglich begleitende Fahrradwege herzustellen.“

Röder ging insbesondere auf den Aspekt der Integration der umweltfreundlichen Verkehrsmittel ein. Erst wenn Rad und Bahn/Bus wirklich im Verbund konzipiert und entwickelt werden, könne, so Röder, eine attraktive und zukunftsfähige Infrastruktur entstehen. Wie heute bereits in Großstädten werde dadurch die Nutzung des Autos auch in ländlicheren Gebieten weitgehend überflüssig und unattraktiv. Die für den Klimaschutz unabdingbare Verkehrswende mit einer dramatischen Reduktion des Autoverkehrs werde so zur einer realistischen Option. Röder forderte konkret: „Für eine zukunftsfähige Verkehrsinfrastruktur muss der ÖPNV, das heißt Busverbindungen und in der Fläche vor allem Schienenverbindungen ausgebaut und dabei die Knotenpunkte mit ausreichenden und sicheren Radabstellanlagen plus Pedelec-Ladestationen versehen werden, so dass der morgendliche und abendliche Umstieg vom Rad zum ÖPNV komfortabel möglich ist.“ Im Rahmen einer landesweiten Verkehrswendestrategie seien die Regionen und Kreise in die Pflicht zu nehmen, dass sie Radverkehrskonzepte entwickeln und umsetzen. Diese müssten garantieren, dass man im Alltag, also zu allen Tageszeiten und unter fast allen Wetterbedingungen, mit Rad oder Pedelec die Umstiegsknoten zum ÖPNV sicher, zügig und attraktiv von allen wichtigen Wohngebieten aus erreichen kann. Röder verwies auch auf eine aktuelle Studie des Umweltbundesamtes, die genau dieses Szenario empfiehlt. (*) Innerorts bedeute dies die Entwicklung eines Netzes von Hauptradrouten mit Fahrradspuren, die eine Mindestbreite von 2,5m aufwiesen oder auf Straßen mit Höchstgeschwindigkeit von 30 km/h verliefen.

Alle Teilnehmer am Wortwechsel stimmten am Schluss überein: Diese grundlegende Neuausrichtung der Verkehrspolitik - weg vom autozentrierten Individualverkehr, hin zu einem multimodalen, umweltfreundlichen Verkehrssystem – ist von zentraler Bedeutung für die Einhaltung der Klimaziele, zu denen Deutschland sich im Pariser Klimaschutzabkommen verpflichtet hat. Es ist an der Zeit, dass die Verkehrspolitik, auch auf Landesebene, die positive Entwicklung des Radverkehrs aufgreift und eine Infrastruktur schafft, die den Alltagsradverkehr stärkt und potentiellen Radfahrern das Umsteigen erleichtert!

 

(*)https://www.umweltbundesamt.de/sites/default/files/medien/1410/publikationen/2019-02-20_texte_14-2019_mobilitaetskonzepte.pdf

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