Rheinland-Pfalz

Rheinland-Pfalz, Klimaschutz

Das Weltklima droht umzukippen

Noch bis zum 14. Dezember tagt die UN-Weltklimakonferenz im polnischen Katowice mit dem großen Ziel ein internationales Regelwerk zur Umsetzung nationaler Klimaschutzziele zu verfassen. Dieses "Regelbuch" soll die Zusagen der einzelnen Staaten überprüfbar und miteinander vergleichbar machen, denn an der Umsetzung des 2015 in Paris beschlossenen "Weltklimavertrags", mit einer Begrenzung der globalen Erwärmung auf möglichst maximal 1,5° Celsius, mangelt es.

Warum die Atmosphäre so zerbrechlich ist

Die Erdatmosphäre stellt eine vergleichsweise hauchdünne Schicht dar. Ein Gedankenexperiment zeigt, wie gering deren gesamte Masse tatsächlich ist: würde man sie nämlich zur spezifischen Dichte des Wassers komprimieren, dann wäre die gesamte Atmosphäre nur 10,13 m dick. Das entspräche dreieinhalb Wohngeschossen.

Noch drastischer ist der Vergleich mit einen A380. Wenn man dieses Gerät mit der sehr begrenzten Masse der Luft in Bezug setzt, die von ihm traktiert wird, dann kann man sich denken, dass das nicht lang gut geht. Dieses Zusammenhangs sollte man sich bei den folgenden Erläuterungen immer bewusst sein.

Der Treibhauseffekt und dessen Stellschraube

Kohlendioxid (CO?) ist für unser sichtbares Licht durchlässig, für Wärmestrahlung (Infrarot) aber nur teilweise. Das unten ankommende Licht erwärmt den Boden und wird als Wärmestrahlung reflektiert. Letzteres wird jedoch durch das CO? teilweise gefangen – die Bodentemperatur steigt.

Ohne Treibhausgase wäre die Erde ein Schneeball mit durchschnittlichen -18 °C. Zur Zeit beträgt die globale Durchschnittstemperatur aber 15 °C – 33 ° wärmer. Das verdanken wir hauptsächlich CO? und Wasserdampf, wobei eine höhere Temperatur auch mehr Wasserdampf verursacht (s. unten). Seit dem Ende der letzten Eiszeit vor 11.700 Jahren bis zum Beginn der industriellen Revolution hielt sich dies sehr konstant; die Temperatur schwankte nur um ±0,5 °C, was Ackerbau und Viehzucht und letztendlich hochentwickelte Zivilisationen ermöglichte.

Diese von der Natur gegebene geradezu paradiesische Zeit droht durch unsere Unvernunft zerstört zu werden.

Unsere jetzige Durchschnittstemperatur ist bereits 0,1 °C über den bisherigen Maximalwert in der vorindustriellen Zeit des Holozäns angestiegen – und sie steigt anscheinend unaufhörlich.

Das liegt an dem deutlich verstärkten Treibhauseffekt. CO? hatte vor der industriellen Revolution die Konzentration von 280 ppmv (parts per million (volume)). Auch die 800 000 Jahre davor betrug sie nie mehr als 300 ppmv – auch nicht während der mittelalterlichen Klimaanomalie zwischen 950 und 1250. Zur Zeit (2018) haben wir aber 408 ppmv, und der Wert steigt jährlich um 2 ppmv.

Was macht einen stärkerer Anstieg als 1,5...2,0 °C so gefährlich?

Eine globale Temperaturerhöhung hat nichts mit lokalen Schwankungen gemein. Das wird dadurch deutlich, dass das letzte Glaziale Maximum vor 21 000 Jahren „nur“ 5.bis 6 °C unter dem Wert der vorindustriellen Zeit lag. Wenn (wenn überhaupt!) alle Staaten ihre Klimapläne einhalten sollten (was Deutschland gerade dabei ist aufzugeben), wird sich die Temperatur der Erde bis 2100 um 3,2 °C erhöhen. Die voraussichtlichen Auswirkungen werden nur wenig geringer sein als die der Kaltzeiten – nur im anderen Extremum. Entsprechend erfanden Klimatologen den zynischen Begriff „Heißzeit“.

Bei mehr als 2 °C Erhöhung besteht die Gefahr droht die Verselbständigung des Klimawandels durch Rückkopplung – ein Effekt, der sich selbst verstärkt (s. unten). Zur Sicherheit wird das Ziel „1,5 °C“ gesetzt.

Ein weiterer Aspekt ist die Sicherheit der Welternährung: „Eine Begrenzung der Erwärmung auf 1,5 °C wird verglichen mit 2 °C laut Projektionen zu geringeren Nettorückgängen des Ertrags bei Mais, Reis, Weizen und möglicherweise anderen Getreidepflanzen führen“ (IPCC SR1.5, Zusammenfassung für politische Entscheidungsträger; Version vom 30.11.2019, S. 15).

Auch die Meere werden in Mitleidenschaft gezogen. Das CO? dringt in die Ozeanen ein und wird dort zu Kohlensäure. Dies verursacht die Versauerung der Meere. Kalkskelettbildende Lebewesen gehen zurück. Besonders sichtbar ist das an sterbenden Korallenriffen, auch durch das geschwächte Plankton, das oft die Basis der Nahrungskette bildet. Nach verschiedenen Untersuchungen betrug der pH-Wert vor der Industrialisierung 8,16...8,25; bis jetzt ging er um ca. 0,11 pH-Einheiten zurück (neutral ist gleich pH 7,0). Auch das kann für die Zukunft fatale Folgen für die Welternährung bedeuten.

Der Treibhauseffekt

Das globale Klima ist ein System mit Rückkopplungen. D.h. eintretende Veränderungen setzen die Ursachen für weitere Effekte im selben System. Diese Effekte können im Prinzip der ursprünglichen Veränderung entgegenwirken und diese neutralisieren; oder sie können in die selbe Richtung wirken und damit einen sich selbst verstärkenden Prozess wie eine Lawine in Gang setzen.

Den direktesten Effekt sehen wir durch große schmelzende Eisflächen. Bei ihrem Verschwinden sie wird die Oberfläche dunkler, besonders wenn es sich um Meereis handelt. Dunkle Fläche erwärmt sich noch stärker, sodass noch mehr Eis schmilzt – die Erwärmung verselbständigt sich.

Eine andere, aber ähnliche Gefahr lauert in den Permafrostböden der Tundra. Dort befinden sich gigantische Vorkommen an Erdgas dicht unter der Oberfläche. Russland besitzt 24,3 % der weltweiten Reserven. Wenn sich die Tundra um 3 ° erwärmt, bedeutet das, dass sich die Klimazonen um 300...400 km verschieben – insbesondere die Permafrostböden werden entsprechend zurückgehen. In diesen geschmolzenen globalen Zonen werden Unmengen an Erdgas freigesetzt – und Erdgas, das ist nichts anderes als verschmutztes Methan. Methan hat eine noch weit höhere Treibhauswirkung als CO?, die Temperatur steigt weiter.

Mit solchen Effekten verselbständigt sich die globale Erhitzung.

Bei mehr als 2 ° wird es deshalb sehr riskant, bei mehr als 3 ° kaum noch möglich sein, die entstehende Lawine aufzuhalten.

Die Besonderheit an den Polen und deren Konsequenzen in Rhein-Austrocknungen und Oder-Überschwemmungen

Wie bereits gesagt, sind bei schmelzendem Eis die Rückkopplungseffekte besonders stark. Die Temperatur erhöht sich dort deshalb besonders stark – stärker als in unseren gemäßigten Breiten. Aus dem Grund werden die Temperaturunterschiede zwischen Arktis und den gemäßigten Zonen geringer. Dadurch wiederum werden die Jetstreams, die an der Grenze zwischen Troposphäre und Stratosphäre die Grenze zwischen den Klimazonen bilden, schwächer. Sie schlagen deutlich stärker nach Norden und Süden aus als früher und bewegen sich nur wenig.

Statt wechselseitigem Ausgleich werden wettermäßige Gegebenheiten quasi festgehalten. Dadurch kommt es, dass Kontinente monatelang ausdorren, während andere Kontinente durch ebenso langen Regen unter außergewöhnlichen Überschwemmungen leiden.

Die Mahnungen sind in 250 Mio. Jahre altem Gestein geschrieben

Zu jener Zeit – es war die zwischen dem Perm und dem Trias - fand das größte Massenaussterben der Erdgeschichte statt. 75 bis 90 % aller Lebewesen verschwanden.

Der Ablauf hat eine gewisse Ähnlichkeit zu dem heutigen: Gewaltige Mengen an Magma quillten damals hervor – der „Sibirische Trapp“. Das freigesetzte CO? verursachte eine globale Temperaturerhöhung um 5 °. Das wiederum brachte Methan an die Oberfläche, sodass weitere 5 ° Erhöhung stattfand. Dadurch wiederum konnten die Ozeane nicht mehr genügend Sauerstoff binden und die Meere versauerten, sodass viele Wasserbewohner starben. Die Meere kippten um – Purpurbakterien übernahmen die Macht. Deren Ausdünstungen von Schwefelwasserstoff („faule Eier“) gaben dem irdischen Leben beinahe den absoluten Rest.

Wie zu Beginn erläutert: unsere Erdatmosphäre ist dünn und zerbrechlich. Wenn uns das aus der Hand gleitet, werden ganze Länder klimatologisch unbewohnbar oder versinken im Meer. Und Menschen haben schon zu deutlich harmloseren politischen Problemen ganz andere Verzweiflungstaten begangen...

Die Konsequenzen

Der VCD Rheinland-Pfalz fordert entsprechend eine sehr deutliche Verkehrswende – eine, die menschengerecht ist. In Deutschland trägt der Verkehr 20,6 % des CO2-Ausstoßes bei – und steigt kontinuierlich. 

Der VCD Rheinland-Pfalz fordert deshalb nachdrücklich:

- Begrenzung auf 120 km/h auf Autobahnen

- Tempo 30 als Regelgeschwindigkeit in geschlossenen Ortschaften

- Straßenneubau und -ausbau dringend und unverzüglich beenden; stattdessen -sanierung und ÖV-Ausbau (auch zum Ausgleich alter Bau-Verträge. Weiterer Ausbau würde die Forderung des Rats der EU-Umweltminister, den CO2-Ausstoß der Autos bis 2030 um mindestens 35 % zu verringern, von vornherein verunmöglichen.

- Ausbau des Öffentlichen Nahverkehrs

- Aufhebung der Dieselsteuer-Subvention und Gebühren für den Flugverkehr, die mindestens den Beträgen entsprechen, die in Bahn, Bus und Kfz gang und gäbe sind.

Es ist unser Lebensstil, den wir ändern müssen - und dazu haben wir keine 10 Jahre mehr Zeit..

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